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Goodbye Britain

London ruft – und brennt vor Langeweile

„London Calling“ oder „London's Burning“? The Clash, um 1978.
„London Calling“ oder „London's Burning“? The Clash, um 1978.(c) Getty Images (Michael Putland)
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Von „Waterloo Sunset“, „Penny Lane“ und „Anarchy In The U. K.“: Wie Großbritannien sich selbst als Wunderland entdeckte – und in welcher Tradition der Grime-Rapper Stormzy steht, wenn er den Union Jack am Leib trägt.

So you gotta let me know . . .“: Nein, es ist vorbei, man kann es nicht mehr hören, es ist zu abgebraucht, erst in Jeans-Werbungen, dann zur Illustration der elenden Brexit-Manöver – das rumplige „Should I Stay Or Should I Go“. Überhaupt sind The Clash eine der britischen Bands, deren Songs eher schlecht gealtert sind. Mit Ausnahmen: Der Lockruf in „London Calling“ (1979) wirkt noch immer (jahrzehntelang hieß ein britophiler Abend im Wiener Flex so), genauso wie der zwei Jahre davor geschlagene Alarm: „London's burning with boredom now!“

London langweilig? Das Epizentrum aller Pop-Explosionen? Das haben wir nie verstanden. Aber auch Nick Hornby erzählt in „31 Songs“, wie grau und langweilig ihm in den Siebzigerjahren seine Heimat vorkam. „Ich war sechzehn“, schreibt er, „und lebte in einem Land, das sich, aus heutiger Sicht gesehen, redlich bemühte, in Ambiente und Infrastruktur eher dem kommunistischen Polen als New York nachzueifern. Wir hatten drei Fernsehkanäle und tagsüber gar kein Fernsehen, abgesehen von gelegentlichen Schulfunksendungen über Mathematik und den Lebenszyklus von Lachsen. An Sonntagen waren die Geschäfte zu.“

Und so weiter und so fort. Klingt wie die Suaden über das angeblich so fade Wien der Sechziger- und Siebzigerjahre, es fehlt nur das Motiv der abends hochgeklappten Gehsteige. Und das soll das Pop-Wunderland gewesen sein, dem wir alle verfallen sind?