Fall Zogaj: Das war's noch lange nicht

Die Aufforderung, Österreich zu verlassen, war für Arigona Zogaj klar absehbar. Überraschend wäre es hingegen, würde der Fall so enden.

Wie viele Gelegenheiten die Politik hatte, sich auf Kosten von „Rehleinauge“ (© VP-Innenministerin Maria Fekter) Arigona Zogaj zu positionieren, ist gar nicht mehr zählbar. Während ÖVP und FPÖ Härte bei illegalen Einwanderern zeigten, während die Linksparteien eine, wenn auch widersprüchliche, Pro-Arigona-Linie fuhren, probierte das Mädchen aus dem Kosovo samt Familie so ziemlich alles, um trotz abweisender Bescheide in Österreich bleiben zu dürfen. Beklemmende Höhepunkte des (medialen) Arigona-Spektakels: Arigonas Untertauchen samt angeschlossenem Katz-und-Maus-Spiel mit den Behörden sowie ein Selbstmordversuch ihrer verzweifelten Mutter. Als wäre das nicht traurig genug, soll es bereits TV-Stationen geben, die der Familie Honorare für eine Livebegleitung der Rückreise bieten.

Auch an die Absurdität exzessiver Fristen im Fremdenrecht wurde ungezählte Male erinnert (heutzutage soll ja nach maximal achtzehn Monaten feststehen, ob ein Asylwerber bleiben darf oder nicht). Natürlich geht es nicht an, dass nur jene einen Aufenthalt durchdrücken, die Pfarrer als Helfer haben oder einen Heiratsantrag von Alfons Haider bekommen (so kürzlich geschehen, um Arigonas Bleiben zu ermöglichen). Aber Einwanderungen, von denen das aussterbende Österreich irgendwie profitieren könnte, sollten Normalität werden. So hätte Arigona Chancen, zurückkehren zu dürfen, um hier etwa – wenn auch nur für eine Saison – jobben zu dürfen.


manfred.seeh@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24. Juni 2010)

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