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Ex-Vorstand

Causa Casinos: Peter Sidlos Lebenslauf unter der Lupe

Sidlo war bei der börsennotierten conwert Leiter der Investor Relations (Konzernkommunikation).Mirjam Reither
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Laut dem Nachrichtenmagazin "profil" sehen die Personalberater Sidlos Tätigkeit bei der börsennotierten conwert nicht so führend, wie er sie darstellte. Sidlo bestreitet eine Aufhübschung.

Der abberufene Kurzzeit-Vorstand bei den Casinos Austria, Ex-FPÖ-Bezirkspolitiker Peter Sidlo, gerät mit dem von ihm bei der Bewerbung für den Vorstands-Job abgegebenen Lebenslauf unter die Lupe. Laut dem Nachrichtenmagazin "profil" sehen die Personalberater Sidlos Tätigkeit bei der börsennotierten conwert nicht so führend, wie er sie darstellte. Sidlo sagt, er habe nichts aufgehübscht.

Sidlo vermerkte demnach unter "Erfolge", er habe "gemeinsam mit dem CEO eine Kapitalerhöhung im Ausmaß von 413 Millionen Euro verantwortet". Die Personalberater der Firma Egon Zehnder, die mit ihm im Zuge seiner Bewerbung sprachen, sehen laut "profil" aber keine führende Tätigkeit Sidlos bei der conwert-Kapitalerhöhung. Sie hatten am 10. Jänner 2019 mit Sidlo im Zuge seiner Bewerbung für den Casinos-Vorstand ein mehrstündiges Gespräch geführt, um eine "breite Lebenslaufanalyse" sowie eine "Analyse der Managementfähigkeiten" durchzuführen.

Dazu erklärte Egon-Zehnder-Geschäftsführer Raimund Steiner in seiner Zeugeneinvernahme bei der Wirtschafts-und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) am 27. November 2019: "Zu der von Mag. Sidlo ins Treffen geführten Kapitalerhöhung bei conwert ist auszuführen, dass er unserer Wahrnehmung nach eine begleitende Funktion ausübte und keine finale Leadfunktion inne hatte. Was er konkret gemacht hat, kann ich heute nicht mehr angeben." Tags darauf sagte Egon-Zehnder-Prokurist Gerald Klenner aus: "Mag. Sidlo hatte auf seine Tätigkeit bei der conwert hingewiesen, dort sei er in eine Kapitalerhöhung eingebunden gewesen und habe das Projekt maßgeblich geleitet. (...) Seine Angaben habe ich selbst in einem Referenzgespräch geprüft. Dabei zeigte sich, dass sein Schwerpunkt in der Prospekterstellung und Kommunikation mit Investoren lag. Meiner Ansicht nach hat er die Projektkoordinierung vorgenommen, eine Leitung des inhaltlichen Teiles konnten wir nicht verifizieren."

Hoschers 108 Urlaubstage mit 651.207 Euro abgelöst

Sidlo selber sieht seinen Lebenslauf in keiner Weise aufpoliert. "Ich habe mich über diese Kapitalmaßnahme im Interview geäußert, meine Angaben wurden durch Egon Zehnder überprüft, und mir wurde letztlich seitens Egon Zehnder eine hohe Kapitalmarktexpertise attestiert. Eine Aufhübschung in diesem Bereich war und ist nicht notwendig und entspricht nicht den Tatsachen", erklärt er gegenüber "profil". Gegen seine Abberufung als Finanzvorstand der Casinos geht Sidlo gerichtlich vor und macht Ansprüche von 2,3 Millionen Euro geltend.

Sidlo war bei der börsennotierten conwert Leiter der Investor Relations (Konzernkommunikation), eine Vorstandsfunktion hatte er nicht.

Der "Standard" berichtet über Details aus dem Casinos-internen Prüfbericht der Kanzlei Schima Mayer Starlinger und der KPMG, der beim Casinos-Aufsichtsrat bei den vorzeitigen Ablösen und Neubestellungen kein Fehlverhalten fand. So sei auch die Abgeltung von 108 Urlaubstagen von Ex-Casinos-Vorstand Dietmar Hoscher mit 651.207 Euro brutto (6.030 Euro pro Tag) rechtmäßig gewesen. Hoscher bleibt noch bis Mitte 2022 bei den Casinos angestellt, wurde aber freigestellt. Dass er den Urlaub ausbezahlt bekommt und nicht konsumiert, sei Ergebnis der Vertragsverhandlungen mit Hoscher gewesen, der Aufsichtsrat habe keine Verfehlungen begangen. Dazu heißt es im 300.000 Euro teuren Bericht: "Vielleicht hätte man hier etwas härter verhandeln können." Andererseits sei das Akzeptieren der Ersatzleistung "ein sicherer Weg" gewesen, einen Gerichtsstreit zu vermeiden.

In der Causa Postenschacher rund um die Casinos Austria ermittelt die Staatsanwaltschaft auch wegen Untreueverdachts. Er richtet sich gegen Aufsichtsratschef Walter Rothensteiner und zwei seiner drei Stellvertreter (Novomatic-Chef Harald Neumann, Leipnik-Lundenburger-Chef Josef Pröll). Sie alle weisen den Vorwurf zurück.

(APA)