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Epidemie

Leben unter Quarantäne: Wie China dem Coronavirus trotzt

Schmerzhafter Abschied. Der Mediziner Lyu Jun (links im Bild) verlässt seine Familie in der Uigurenprovinz Xinjiang für den Hilfseinsatz in der vom Coronavirus betroffenen Stadt Wuhan.
Schmerzhafter Abschied. Der Mediziner Lyu Jun (links im Bild) verlässt seine Familie in der Uigurenprovinz Xinjiang für den Hilfseinsatz in der vom Coronavirus betroffenen Stadt Wuhan.(c) imago images/Xinhua (Wang Fei via www.imago-images.de)
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Während die Bewohner der komplett abgeriegelten Stadt Wuhan unter großen Einschränkungen leben müssen, schwankt Peking zwischen Paranoia und dem Ringen um Normalität. Manche sind gelangweilt vom monotonen Alltag unter der erzwungenen Isolation. Bei anderen steigt der Frust über die örtlichen Parteikader.

Nur wenige Stunden nachdem die WHO einen internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen hat, genießt die 32-jährige Cherie Liu den Freitagabend mit ihren Freunden beim Nobel-Italiener im Pekinger Ausgehviertel Sanlitun. Kellnerinnen mit schwarzen Masken im Gesicht servieren Rotwein, Pizzen mit Büffelmozarella und üppige Salate. „Jetzt flippen die Leute aus und kaufen Gesichtsmasken und Desinfektionsmittel ohne Ende. Noch vor wenigen Wochen wussten viele von uns nicht einmal, was das Wort Quarantäne überhaupt bedeutet“, sagt die Chinesin mit den rot geschminkten Lippen, weißer Bluse und den zu einem Zopf gebundenen Haaren.

Die meisten ihrer Bekannten würden sich regelrecht in eine Paranoia hineinsteigern, berichtet die Angestellte einer Marketing-Agentur. Sie selbst habe sich bewusst dazu entschieden, Ruhe walten zu lassen. „Unser zentralisiertes System ist sehr effizient. Die Regierung schickt unzählige Ärzte nach Wuhan und baut zwei Spitäler aus dem Nichts. Welches Land außer China kann das innerhalb so kurzer Zeit zustande bringen?“, fragt Cherie Liu rhetorisch.

Trotz der staatlichen Gegenmaßnahmen verbreitet sich das Coronavirus bislang weiter. Mit Redaktionsschluss bestätigten die Behörden rund 11.400 Infizierte und 259 Todesfälle. Vor allem international reagieren viele Regierungen zunehmend besorgt: Die Vereinigten Staaten und andere Länder haben ihren Bürgern dringend davon abgeraten, Reisen nach China zu unternehmen. Fast alle Industrienationen haben ihre Staatsbürger bereits aus den Quarantäne-Gebieten in der Provinz Hubei evakuiert, darunter Frankreich, Deutschland und Südkorea. Wie Nachrichtenagenturen berichteten, hat die britische Botschaft begonnen, internationales Personal in Teilen aus China abzuziehen.