Der Genter Altar in geöffneter Pracht: Die restaurierten Außenseiten sind zur Zeit in der Ausstellung zu sehen (inkl. Adam und Eva). Auch das zentrale Bild mit dem Lamm Christi ist restauriert, blieb aber in der Kathedrale. Die obere Reihe soll ab 2021 von späteren Farbschichten befreit werden.
Van Eyck

Hype um Genter Altar: Alles dreht sich ums Lamm

Zum Genter Altar fuhren bisher nur eingeschworene Kunstfans. Heuer aber soll das gefühlt die ganze Welt tun. Dafür ausgegebenes Marketing-Motto: „OMG! Van Eyck was here!“

Wir Belgier“, sagt Nick, der früher Barbesitzer war, unter demselben Hipster-Logo aber gerade als Stadtführer „Charlie“ neu durchstartet, „sind leider gar nicht gut im Selbstmarketing.“ Noch glaubt man ihm, erstmals hier mitten in dieser so zauberhaften, neben Brüssel und Brügge weniger bekannten Studentenstadt stehend. Voriges Jahr, versichert Nick, war noch nicht einmal jedem Einwohner der Name Jan van Eyck ein Begriff, schließlich sei das hier das Hipsterzentrum Belgiens, interessiert man sich hier eher für Veggie- und Pommes-Bars oder das lauschige Street-Art-Gässchen.

Das allerdings hat sich fundamental geändert. Alles dreht sich hier um „das Lamm“, also das nur 12 mal 12cm winzige Zentrum des vier Mal drei Meter großen, frisch teilrestaurierten Genter Altars, Hauptwerk des spätmittelalterlichen Malers Jan van Eyck und seines älteren Bruders Hubert, der tatsächlich in Gent lebte und 1426 starb. Während Jan nur kam, um den Altar zu vollenden (und sonst in Brügge bzw. im Hofstaat des burgundischen Herzogs Philipp der Gute lebte, für den er u. a. auch ominöse diplomatische Geheimreisen unternahm).