Emmerich Gärtner-Horvath war nur Stunden nach dem Attentat vor Ort.
Oberwart

Wie ein Attentat eine Stadt vereinte

Bei dem Anschlag in Oberwart vor 25 Jahren wurden vier Roma durch eine Rohrbombe getötet. Auf den ersten Schock folgten Verhetzung und Diffamierung einer gesamten Volksgruppe. Doch anstatt daran zu zerbrechen, wuchs die burgenländische Gemeinde zusammen.

Es ist ein trister Ort, an dem das schwarze Kreuz steht. Direkt an der unbefestigten Straße, dahinter ein kahles Feld, das den Blick auf die wenig charmanten Gebäude eines alten Spitals, des Wasserwerks und des Messezentrums freigibt. Fast direkt darüber die Umfahrung der Bundesstraße, die zur nahen ungarischen Grenze führt. Die zwei Kerzen sind erloschen, die Blumen im Trog längst verwelkt, für etwas Farbe sorgt nur ein Strauß aus Plastikrosen.

Spätestens am Mittwoch wird es aber wieder frische Blumen geben, wenn der Nationalratspräsident nach dem Gedenkmarsch einen Kranz niederlegen wird. Genau an der Stelle, wo vor 25 Jahren vier Menschen bei dem bislang schwersten politisch motivierten Attentat der zweiten Republik ums Leben kamen. Die vier starben, als sie eine Tafel mit der Aufschrift „Roma zurück nach Indien“ entfernen wollten. Als Standfuß für die Tafel diente ein mit Gips gefülltes Katzenklo, an dem eine Rohrbombe befestigt war, gelegt von dem Serienattentäter Franz Fuchs.

„Erwin Horvath, Karl Horvath, Peter Sarközi, Josef Simon.“ Die Namen der Opfer sind alles, was auf dem Schild an dem schwarzen Kreuz geschrieben steht, gemeinsam mit dem Datum „4.2.1995“. Es ist der Tag, an dem sich die burgenländische Gemeinde Oberwart für immer veränderte.