Die Irin Ciara Murphy und die Britin Cordelia Roberts trafen einander zufällig in Bremen.
Phänomen

Das bin doch ich! Wer findet seinen Doppelgänger?

Die Wahrscheinlichkeit, dass wir jemanden treffen, der uns verblüffend ähnlich sieht, war dank Internet und Reisen wohl noch nie so groß wie heute. Doch wie viele Doppelgänger haben wir da draußen? Und wollen wir sie wirklich kennenlernen?

Eines Nachts saß Sigmund Freud allein in seinem Abteil des Schlafwagens, als der Zug plötzlich und durch eine ruckartige Bewegung erschüttert wurde. Dabei öffnete sich heftig die Türe und in Freuds Abteil trat ein „älterer Herr im Schlafrock, die Reisemütze auf dem Kopfe“ ein. Ein verirrter Eindringling, so dachte Doktor Freud, und er sprang auf, um den Mann aus seinem Zimmer zu weisen. Erst in diesem Moment erkannte er, wen er vor sich hatte: Sich selbst. Denn die offene Tür hatte die Sicht zu einer weiteren, verspiegelten Verbindungstür freigegeben. „Ich weiß noch“, wird Freud diese Episode in einer Fußnote seines Werks „Das Unheimliche“ (1919) festhalten, „dass mir die Erscheinung gründlich missfallen hatte.“ Das Missfallen: Vielleicht „ein Rest jener archaischen Reaktion, die den Doppelgänger als unheimlich empfindet?“

Einen echten Doppelgänger hingegen hatte Freud sehr wohl in Wien – dazu aber später mehr.

Dass irgendwo auf dieser Welt ein Mensch lebt, der aussieht wie wir, der uns erschreckend ähnelt, der unser Doppelgänger ist – das ist in gleichem Maße unheimlich wie aufregend. „Jeder von uns könnte der Mann sein, dem sein Doppelgänger begegnet“, schrieb schon Friedrich Dürrenmatt, und wohl war die Wahrscheinlichkeit nie höher als im globalisierten Heute, dass der Doppelgänger, die Doppelgängerin plötzlich vor einem steht.