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Coronavirus

Sieben Heimkehrer aus China werden 14 Tage lang isoliert

Eine Hercules C-130 des Bundesheers.
Eine Hercules C-130 des Bundesheers.APA/WERNER KERSCHBAUMMAYR
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Mit der Quarantäne-Maßnahme will man bei den Rückkehrern aus dem vom Coronavirus besonders stark betroffenen Gebiet Wuhan auf Nummer sicher gehen. Seit Sonntag gibt es einen neuen Verdachtsfall aus Niederösterreich. Bei allen anderen wurde Entwarnung gegeben.

Wien. Grund zur Panik gebe es nicht, aber es sei „höchste Aufmerksamkeit“ angebracht, sagt Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Sonntagabend bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz im Hygienezentrum der Stadt Wien in Simmering. Denn: „Das Coronavirus ist in Europa angekommen. Seit gestern gibt es den ersten Todesfall außerhalb Chinas – und zwar auf den Philippinen.“

Anlass für den Medientermin war die für den späten Nachmittag erwartete Rückkehr von sieben Österreichern aus dem vom neuartigen Virus besonders stark betroffenen Gebiet rund um Wuhan.
Allerdings verspätete sich der Flug um einige Stunden. Die Hercules-C-130-Maschine des österreichischen Bundesheeres landete erst nach der Pressekonferenz gegen 20.30 Uhr in Wien-Schwechat. Das Flugzeug holte die österreichischen Staatsbürger von der französischen Luftwaffenbasis Istres-Le Tube ab, wo sie zwischengelandet waren.

„Weil das Virus medizinisch noch nicht unter Kontrolle ist, sind wir alle angespannt, aber es gibt keinen Grund für erhöhte Nervosität“, sagt der ebenfalls anwesende Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ). Er habe „keine Sekunde“ gezögert, das Krisenmanagement der Stadt zu aktivieren, nachdem ihn der Gesundheitsminister am Samstagnachmittag angerufen und darum ersucht habe. Bei den Rückkehrern handle es sich aber um keine Patienten, weil bisher bei keinem eine Ansteckung nachgewiesen worden sei, betont Hacker. Und wenn doch, sei man „perfekt“ vorbereitet.

Erste Untersuchung und Quarantäne

Sobald die sieben Österreicher – bei ihnen handelt es sich um den Konsul aus Wien, einen Osttiroler sowie zwei Männer, zwei Frauen und ein Kind aus Niederösterreich – in Schwechat ankamen, wurden sie nach einer medizinischen „Erstbegutachtung“ direkt am Flughafen von der Wiener Berufsrettung ins Hygienezentrum nach Simmering gebracht. Dort wird ihnen ein Abstrich aus dem Nasen- und Rachenraum entnommen, um sie auf das Coronavirus zu testen. Die ersten Ergebnisse sollten innerhalb weniger Stunden vorliegen.

Bei einem positiven Test werden die Infizierten in die auf Infektionskrankheiten spezialisierte 4. Medizinische Abteilung des Kaiser-Franz-Josef-Spitals verlegt, wo auch bisher alle Verdachtsfälle aus Wien behandelt wurden. Bei negativen Tests bleiben die Personen 14 Tage lang isoliert und werden engmaschig auf das Coronavirus getestet – um kein Risiko einzugehen, sagt Michael Binder, Medizinischer Direktor des Krankenanstaltenverbunds. Zwar könne man eine Infektion üblicherweise innerhalb weniger Tage ausschließen, „aber wir wollen auf der sicheren Seite sein“, so Binder. Denn die Heimkehrer könnten sich auch noch am Flughafen in Wuhan oder bei der Zwischenlandung in Frankreich angesteckt haben.

Unterbracht werden sie in dieser Zeit entweder im Hygienezentrum oder in Wiener Krankenhäusern mit geeigneten Isolierzimmern – davon stehen genügend zur Verfügung. Die Aufteilung wird laut Ursula Karnthaler, stellvertretende Landessanitätsdirektorin von Wien, am Montag erfolgen. Hacker: „Das Hygienezentrum ist eine hoch spezialisierte Einrichtung, die als Reserve dient und die wir verständlicherweise so bald wie möglich frei bekommen wollen.“

40 negative Tests, neuer Verdachtsfall

Am Rande des Termins teilte Anschober auch mit, dass es bisher bei allen 40 Verdachtsfällen in Österreich Entwarnung gab – allerdings habe er auf dem Weg zur Pressekonferenz erfahren, dass ein neuer Fall aus Niederösterreich gemeldet wurde, der mit derselben Gründlichkeit wie bisher abgeklärt werden müsse. Diese erhöhte Wachsamkeit werde noch einige Zeit anhalten, ergänzt Binder. Wie lange, könne er nicht sagen: Vielleicht Tage, Wochen oder Monate.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.02.2020)