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Bafta Awards

Joaquin Phoenix über Rassismus: „Ich bin Teil des Problems“

The British Academy of Film and Television Awards at the Royal Albert Hall in London
Joaquin Phoenix bekam den Preis für den Besten Hauptdarsteller(c) REUTERS (TOBY MELVILLE)
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Seine Dankesrede bei der Verleihung der britischen Filmpreise nutzte der Schauspieler dazu, über systematischen Rassismus in der Filmbranche zu sprechen.

Schauspieler Joaquin Phoenix schämt sich dafür, Teil eines rassistischen Systems zu sein. Das sagte er bei der Verleihung der britischen Filmpreise Baftas. Phoenix wurde am Sonntagabend in London – gut eine Woche vor den Oscars – als Bester Hauptdarsteller für seine Rolle in „Joker“ ausgezeichnet. Die Zeit vor der Gala nutzte der Schauspieler, um an der Tower Bridge gegen Massentierhaltung und Klimawandel zu protestieren. Politisch war auch seine Dankesrede dann am Abend in der Royal Albert Hall. „Ich fühle mich zerrissen“, sagte der 45-Jährige, „weil so viele meiner Schauspielkollegen, die es verdienen, nicht dieses Privileg haben.“

Niemand wolle Sonderbehandlung, sagte Phoenix. „Aber die Leute wollen anerkannt, geschätzt und respektiert werden.“ Heuer waren alle zehn für die Baftas zehn nominierten Schauspielerinnen und Schauspieler weiß. Die British Academy of Film and Television Arts war deshalb kritisiert worden. „Ich glaube, dass wir Menschen mit anderer Hautfarbe die klare Botschaft vermitteln, dass sie hier nicht willkommen sind“, sagte Phoenix.

„Es ist eine Verpflichtung"

„Ich schäme mich, das zu sagen, aber ich bin Teil dieses Problems“, so der Schauspieler. „Ich habe nicht dafür gesorgt, dass die Sets, an denen ich gearbeitet habe, integrativ sind.“ Man müsse hart arbeiten, um den systematischen Rassismus in seiner Branche zu verstehen. „Es ist für die Menschen, die dieses System der Unterdrückung errichtet haben und davon profitieren, eine Verpflichtung, dass sie es auch demontieren“, sagte er.

In dieselbe Kerbe schlug Bafta-Präsident Prinz William. „Schon wieder sprechen wir darüber, dass wir mehr tun müssen, um in diesem Sektor und bei der Preisvergabe Diversität zu gewährleisten", sagte er. "Das kann heutzutage einfach nicht mehr richtig sein."

Auch Oscars für Zellweger, Pitt und Dern?

Das Aufsehen um Phoenix' Rede stellte den Triumph für das Anti-Kriegsepos „1917“ von Regisseur Sam Mendes in den Schatten. Der Film war als Bester Film und als Herausragender Britischer Film ausgezeichnet worden. Außerdem erhielt Mendes die Trophäe als Bester Regisseur.

Wie schon bei den Golden Globes und anderen Preisverleihungen wurde Renée Zellweger ("Judy") in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet, Laura Dern ("Marriage Story") und Brad Pitt ("Once Upon A Time ... in Hollywood") für die besten Nebenrollen. Damit gelten die vier US-Filmstars auch bei der Vergabe der Oscars als Topfavoriten.

Davon abgesehen erlebte das stargespickte Publikum in der Royal Albert Hall einen launigen Abend, an dem viel gelacht wurde. Vor allem die australische Schauspielerin und Komikerin Rebel Wilson amüsierte die Gäste. In Anspielung auf den in die Epstein-Affäre verwickelten Prinz Andrew und den von seinen royalen Aufgaben zurückgetretenen Prinz Harry sprach sie erst von der Royal Andrew, dann von der Royal Harry Hall. Prinz William und seine Ehefra Kate lächelten etwas gezwungen.

„Dafür habe ich nicht die Eier“

Wilson machte sich auch über ihren Kinoflop „Cats“ lustig und scherzte, mit der Bafta-Trophäe - einer goldenen Maske - könne man die Ansteckung mit dem Coronavirus verhindern. Mit Blick auf die Kategorie Beste Regie, in der nur Männer nominiert waren, sagte die Australierin: „Dafür habe ich nicht die Eier.“

Der neuseeländische Filmemacher Taika Waititi freute sich über den Preis für das Beste Adaptierte Drehbuch für seine Hitler-Satire „Jojo Rabbit“. Der südkoreanische Überraschungserfolg „Parasite“ von Regisseur Bong Joon-ho erhielt zwei Baftas - für das Beste Originaldrehbuch und als Bester Nicht-Englischsprachiger Film.

Enttäuschung für Tarantino und Scorsese

Verlierer des Abends waren zwei hochgelobte Filme, die jeweils zehn Nominierungen erhalten hatten. Für „Once Upon A Time ...“ von Quentin Tarantino bekam Pitt, der nicht anwesend war, den einzigen Preis. Martin Scorseses Mafia-Epos „The Irishman“ ging komplett leer aus. Gemessen an der Zahl der Nominierungen verlief der Abend auch für „Joker“ enttäuschend. Von elf möglichen Preisen erhielt der Film nämlich nur drei. Neben Phoenix' Hauptrolle wurden die Filmmusik der Isländerin Hildur Gudnadottir und das Casting prämiert.

Das Nachsehen hatte auch die gebürtige Salzburgerin Kathrin Steinbacher: Die Filmemacherin war in der Kategorie Animierter Kurzfilm für „In Her Boots“ nominiert, musste schlussendlich aber Maryam Mohajer und ihrem Werk „Grandad was a Romantic“ den Vortritt lassen.

(APA/dpa/Red.)