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"Kritik an Religionen ist ein Recht"

Hält den Vorwurf der Islamophobie zumeist für unberechtigt: Pascal Bruckner.
Hält den Vorwurf der Islamophobie zumeist für unberechtigt: Pascal Bruckner.(c) imago/Leemage (imago stock&people)
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Der französische Philosoph Pascal Bruckner spricht über den seiner Meinung nach missbräuchlich verwendeten Begriff Islamophobie, den politischen Islam und das Kopftuchverbot.

Die Presse: Sie haben zuletzt wiederholt den missbräuchlich verwendeten Begriff Islamophobie als Werkzeug gegen jede Islamkritik beklagt. Inwiefern wird Islamophobie missbräuchlich verwendet?

Pascal Bruckner: Geprägt wurde der Begriff Islamophobie von den Verwaltern des französischen Kolonialreichs Anfang des 20. Jahrhunderts. Damals galten die Muslime in Westafrika als die engsten Verbündeten der Franzosen. In den späten 1980er-Jahren kehrte die Bezeichnung im Zug der Salman-Rushdie-Affäre zurück. Muslime in Großbritannien benutzten sie, um jegliche Kritik am radikalen Islam verstummen zu lassen. Den Islam zu kritisieren, wurde sogar mit Rassismus gleichgesetzt, was kompletter Blödsinn ist. Wir müssen zwei Dinge unterscheiden: Gläubige zu verfolgen und zu unterdrücken, ist ein Verbrechen, eine Religion zu kritisieren, ist ein Recht. In einem demokratischen Staat gibt es keine Blasphemie. Dieser Tatbestand wurde in Frankreich schon 1792 abgeschafft.

Wie definieren Sie eigentlich radikalen bzw. politischen Islam?

Der politische Islam ist eine auf einer Religion basierenden Ideologie mit der Absicht, die Kontrolle über die ganze Welt, zumindest aber über die muslimischen Communitys in Europa zu übernehmen. Der wichtigste Vertreter des politischen Islam ist die Muslimbruderschaft, die in unseren Ländern verboten werden sollte – wie die Salafisten, Wahhabiten.

Wie redet man am besten über den Zusammenhang zwischen dem Islam und Anschlägen, ohne islamophob zu wirken?