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Russland

Vom kriegführenden Autor zum rechten Parteigründer

Zakhar Prilepin.
Zakhar Prilepin.(c) imago images/ITAR-TASS (Sergei Fadeichev via www.imago-i)
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Zakhar Prilepin kämpfte im Donbass. Seine Partei „Für die Wahrheit“ sammelt Nationalpatrioten.

Moskau. Der russische Schriftsteller Zakhar Prilepin, dessen Romane auch auf Deutsch erschienen sind, hat sich am Wochenende zum Chef der neuen nationalpatriotischen Partei „Für die Wahrheit“ küren lassen. Beim Gründungskongress kritisierte er die russische Elite und stellte eine Teilnahme an den Dumawahlen 2021 in Aussicht. Beobachter gehen davon aus, dass ein derartiges Projekt nur mit Zustimmung des Kreml möglich ist.

Der Autor, der früher den verbotenen Nationalbolschewisten nahestand und als energischer Kreml-Kritiker auftrat, fand sich nach der Krim-Annexion 2014 im Mainstream der russischen Politik wieder. Prilepin besuchte zunächst als Autor die selbst ernannten Volksrepubliken in der Ostukraine, baute dann ein Speznas-Bataillon auf und wurde mit dem Rang eines Majors ausgezeichnet. Kampferfahrung hatte er im Tschetschenien-Krieg in den 90ern gesammelt. Ob er im Donbass tatsächlich sein Leben riskiert hat, ist unklar. Als Aushängeschild war er jedenfalls höchst willkommen.

Im Sommer 2018 kehrte er von seinem Kampfeinsatz zurück, um sich wieder „großrussischen“ Angelegenheiten zu widmen. Der Kreml, der Prilepins Söldnertum unkommentiert ließ, hat längst seinen Nutzen erkannt. Der Autor, der für „Archipel Solowki“ (auf Deutsch im Herbst 2020) den renommierten Preis „Großes Buch“ erhielt, sitzt aktuell in der 75-köpfigen Arbeitsgruppe des Präsidenten zur Verfassungsänderung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2020)