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Epidemie

Coronavirus: Jeder 50. stirbt an Lungenkrankheit

Freiwillige desinfizieren einen Bahnhof in der Stadt Changsha.REUTERS
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Die Sterblichkeitsrate liegt im Durchschnitt bei rund 2,1 Prozent. Während Peking „Fehler“ einräumt, versuchen die Behörden mit teils drakonischen Mitteln, den Ausbruch einzudämmen. Hongkong meldet einen ersten Toten.

Die Volksrepublik verzeichnete am Dienstag den bisher stärksten Anstieg an Infektionen und Todesfällen mit dem neuartigen Coronavirus innerhalb eines Tages: Es gibt 426 Todesopfer und mehr als 20.000 Erkrankungen. Wie die chinesische Regierung mitteilte, stieg die Zahl der Todesopfer durch die Epidemie seit Montag in Festlandchina um weitere 64 Fälle.

Sie alle wurden in der zentralchinesischen Provinz Hubei verzeichnet. Hubei ist das Zentrum der Epidemie, von der dortigen Millionenstadt Wuhan hatte das Virus seinen Ausgang genommen. Die chinesischen Behörden haben die Provinz weitgehend von der Außenwelt abgeriegelt. Bis Dienstag gab es zudem 20.438 bestätigte Erkrankungen - 3225 neue Fälle im Vergleich zum Vortrag.

Die Sterblichkeitsrate der neuartigen Lungenkrankheit in China liegt im Schnitt bei 2,1 Prozent. Das bedeutet, dass rund jeder 50. nachweislich Erkrankte an dem Virus stirbt. In der schwer betroffenen Metropole Wuhan in Zentralchina erreicht sie allerdings 4,9 Prozent, wie Jiao Yahui von der Gesundheitskommission am Dienstag in Peking berichtete. Bei Sars lag die Sterblichkeitsrate bei 9.6 Prozent. Damals starben weltweit mehr als 700 Menschen.

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Provinz droht mit Todesstrafe

Die Behörden in China gehen mit teils drastischen Mitteln gegen die Ausbreitung der Lungenkrankheit vor: Die Polizei nahm der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge eine Frau fest, die den Kontakt mit einer Person aus einem vom Coronavirus betroffenen Gebiet "absichtlich verschleiert" haben soll. Die 36-Jährige befindet sich in der nördlichen Gemeinde Tianjin in Untersuchungshaft. Es gibt zunächst keine Details darüber, ob oder wann sie freigelassen wird. Ein Höchstgericht in der nordöstlichen Provinz Heilongjiang sagt, dass laut einer Gerichtsmitteilung vom 31. Januar Menschen, die das Virus absichtlich verbreiten, die Todesstrafe drohen könnte. 

Zudem schränkten die Behörden in drei weiteren Großstädten außerhalb der Provinz Hubei die Bewegungsfreiheit von rund zwölf Millionen Menschen massiv ein. Die Maßnahmen betreffen nach Behördenangaben die gesamte Stadt Taizhou sowie Teile von Hangzhou, wo sich der Sitz des chinesischen Internetriesen Alibaba befindet, und mehrere Bezirke von Ningbo.

Taizhou ist 150 Kilometer von der Wirtschaftsmetropole Shanghai und 850 Kilometer vom Zentrum der Coronavirus-Epidemie in der Provinz Hubei entfernt. In der Stadt darf vorerst nur noch ein Bewohner pro Haushalt jeden zweiten Tag für Einkäufe das Haus verlassen. Die gleiche Regelung gilt für die betroffenen Viertel von Hangzhou und Ningbo. Die Behörden in Taizhou setzten zudem ab Dienstag 95 Zugverbindungen aus.

Erster Todesfall in Hongkong, Macau schließt Casinos

Zuvor hatte schon die neun Millionen Einwohner zählende ostchinesischen Metropole Wenzhou ähnliche Beschränkungen für die Mobilität seiner Bewohner erlassen, sie aber nicht als Empfehlung formuliert, sondern zwingend vorgeschrieben. Beide Metropole gehören zur Provinz Zhejiang, die bisher etwas mehr als 800 Virusfälle zählt.

Ein erster Todesfall wurde am Dienstag außerdem in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong gemeldet. Dabei handelt es sich um einen 39-jährigen Einwohner der Finanzmetropole, der im Jänner nach Wuhan gereist war, wie die örtliche Gesundheitsbehörde mitteilte. Nach Informationen von Lokalmedien litt der Mann unter anderen Gesundheitsbeschwerden, die seine Behandlung wegen des Virus erschwerten.

Bisher wurden in Hongkong insgesamt 15 Fälle von Ansteckungen mit dem Coronavirus verzeichnet. Die dortige Regierungschefin Carrie Lam hatte am Montag die Schließung fast aller Landübergänge nach Festlandchina angekündigt. Nur zwei Übergänge sollen offen bleiben. Bei dem Todesfall in Hongkong handelt es sich um den zweiten außerhalb von Festlandchina. Am Sonntag war ein Chinese aus Wuhan in der philippinischen Hauptstadt Manila gestorben. Auch Chinas zweite Sonderverwaltungszone Macau reagiert: Die Stadt schließt zwei Wochen lang ihre Casinos. Regierungschef von Macau, Ho Iat-seng, sprach von einer "schwierigen Entscheidung", die aber notwendig sei, um die Gesundheit der Einwohner von Macau zu schützen.

Xi Jinping: „Test für Chinas System“

Die chinesische Führung räumte am Montag in einem ungewöhnlichen Schritt erstmals "Fehler" im Umgang mit der Gesundheitskrise ein. Der Ständige Ausschuss des Politbüros der regierenden Kommunistischen Partei erklärte, die Reaktion auf die Epidemie habe "Fehler und Schwierigkeiten" beim nationalen Notfallmanagement offengelegt.

Chinas Präsident Xi Jinping forderte "rasche und entschlossene" Maßnahmen. Er rief zu einer "strikten Durchsetzung" von Anordnungen und Verboten auf. Im Kampf gegen die Epidemie gehe es nicht nur um Leben und Gesundheit der Menschen, sondern auch um die wirtschaftliche und soziale Stabilität.

Die Versorgung mit medizinischem Schutzmaterial müsse gesichert und die Infektions- und Sterblichkeitsrate gesenkt werden, wurde auf dem Parteitreffen weiter betont. Der Ausbruch sei ein "wichtiger Test für Chinas System und die Fähigkeit zur Regierungsführung". Bei dem Treffen wurde auch eine entschlossene Umsetzung des gerade erlassenen Verbots für den Handel mit wilden Tieren gefordert.

Japan: Kreuzfahrtschiff unter Quarantäne gestellt

Von China aus hat sich das Virus inzwischen in mindestens 24 andere Länder ausgebreitet. In Bayern wurden am Montagabend zwei weitere Krankheitsfälle bekanntgegeben. Bei einem von ihnen handelt es sich um einen weiteren Mitarbeiter des Automobilzulieferers Webasto aus dem Landkreis Starnberg, wie das bayerische Gesundheitsministerium mitteilte. Zuvor war schon bei acht anderen Webasto-Mitarbeitern das Virus diagnostiziert worden.

Bei dem zweiten neu bestätigten Infektionsfall handelt es sich um ein Kind aus der Familie eines Webasto-Angestellten, bei dem der Erreger vergangene Woche nachgewiesen worden war. Zuvor war schon bei einem anderen Kind derselben Familie das Virus festgestellt worden. Die anderen beiden Infizierten in Deutschland gehören zu den mehr als hundert Menschen, die am Samstag mit einem Sonderflug aus Wuhan zurückgeholt worden waren. In Österreich gab es bisher keine bestätigten Fälle.

In Japan wurde am Montag wegen Verdachts auf das Coronavirus ein Kreuzfahrtschiff unter Quarantäne gestellt. Fernsehbilder zeigten, wie im Hafen von Yokohama Gesundheitsbeamte an Bord der "Diamond Princess" gingen. Sie sollten den Gesundheitszustand sämtlicher 2500 Passagiere und 1000 Besatzungsmitglieder überprüfen.

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(APA/AFP/dpa/Reuters/red.)

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