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Produktion

Coronavirus belastet Austrofirmen in China

Das Coronavirus hemmt Chinas Smartphone-Bauer – und ihre Zulieferer wie AT & S.
Das Coronavirus hemmt Chinas Smartphone-Bauer – und ihre Zulieferer wie AT & S.(c) APA/AFP/FILIPPO MONTEFORTE
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Das Coronavirus zwingt den Leiterplattenhersteller AT & S zur Gewinnwarnung, die Aktie stürzt ab. Faserproduzent Lenzing muss möglicherweise die Produktion in Nanjing stoppen.

Wien. Die Unsicherheit durch das sich weiter ausbreitende Coronavirus macht sich erstmals bei österreichischen Unternehmen in China bemerkbar. Der steirische Leiterplattenhersteller AT & S musste am späten Montagabend eine Gewinnwarnung aufgrund der Krankheitswelle aussprechen. Das Unternehmen erwirtschaftet einen Großteil seines Umsatzes in China und beschäftigt dort 7000 Mitarbeiter. Die Werke stehen in Shanghai und in Chongqing, rund 900 Kilometer von Wuhan entfernt, wo das Coronavirus erstmals ausgebrochen ist. Derzeit ist nur einer von drei Standorten in Betrieb – und auch dieser produziert nur mit reduzierten Kapazitäten. Sollte ausreichend gesundes Personal verfügbar sein, sollen in der kommenden Woche auch die beiden übrigen Werke wieder den Betrieb aufnehmen. AT & S baut unter anderem Leiterplatten für Smartphones. China allein steht für 70 Prozent aller weltweit verkauften Mobilfunkgeräte. Alle großen chinesischen Produzenten haben infolge des Virus bereits Produktionsrückgänge beklagt.

Darüber hinaus führten die schwächere Nachfrage und hohe Ausgaben für Forschung und Entwicklung in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres bei AT & S zu einem Gewinneinbruch um mehr als zwei Drittel. Im dritten Quartal sank der Umsatz um 4,7 Prozent auf 753,2 Millionen Euro, das operative Ergebnis brach um 60,8 Prozent auf 47,7 Millionen Euro ein. Entsprechend enttäuscht reagierten die Anleger. Am gestrigen Dienstag gab die AT & S-Aktie zwischenzeitlich um fast 14 Prozent nach. Sie fiel damit auf den tiefsten Stand seit vergangenem November. Am Nachmittag lag das Minus immer noch bei rund sieben Prozent.

 

Fiebermessen in den Werken

Betroffen vom Ausbruch der tödlichen Krankheit ist auch der oberösterreichische Faserhersteller Lenzing. Das Unternehmen betreibt ein Werk in Nanjing, etwa 500 Kilometer von Wuhan entfernt. Noch seien rund 200 der ursprünglich 800 lokalen Mitarbeiter dort tätig, berichtet die Austria Presse Agentur. Das Werk sei noch mit etwa 80 Prozent der Leistung in Betrieb, die wirtschaftlichen Einbußen bisher überschaubar. Aber die Lage spitze sich zu, die Unsicherheiten stiegen stetig. So könne man angesichts des Lagerstandes etwa noch zwei Tage weiterproduzieren. Wegen Transportkontrollen könnte aber bei Chemikalien ein Engpass auftreten.

An den Bürostandorten in Shanghai werde verstärkt Heimarbeit ermöglicht, um die Infektionsgefahr zu verringern, sagte der Sprecher. Die Stadtregierung von Shanghai hat für private und öffentliche Betriebe einen Zwangsurlaub bis neunten Februar verhängt. Am Produktionsstandort selbst würden Fiebermessungen beim Zutritt ins Werk durchgeführt. Aus heutiger Sicht könne es jederzeit so weit sein, dass Lenzing die Produktion in Nanjing zwangsweise einstellen müsse.

 

Produktionsstopp in Südkorea

In der Automobilindustrie sorgen die Produktionsengpässe in China auch jenseits der Grenzen für erste Produktionsstopps. Der südkoreanische Autohersteller Hyundai kündigte an, die Produktion im eigenen Land noch diese Woche aussetzen zu müssen, da China die notwendigen Kabelbäume nicht liefern könne.

Das Unternehmen betreibt sieben Fabriken in Südkorea, weltweit sind es 13 Werke. Der Produktionsstopp in der laufenden Woche sei nicht mehr vermeidbar, sagte der Autobauer. Allerdings suche man fieberhaft nach alternativen Zulieferern in anderen Regionen. Ist die Suche erfolgreich, könnte die Produktion kommende Woche wieder starten. (auer/ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.02.2020)