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Bachmann-Preis: Sabrina Janesch eröffnet Wettlesen

BachmannPreis Sabrina Janesch eroeffnete
Sabrina Janesch eröffnete das Wettlesen um den Bachmann-Preis 2010.(c) Puch Johannes (Puch Johannes)
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Die deutsche Autorin eröffnete mit ihrem Romanauszug "Katzenberge" Donnerstagvormittag das dreitägige Wettlesen im Klagenfurter ORF-Theater. Nach ihr lasen Volker Altwasser und Christophler Kloeble.

Die deutsche Autorin Sabrina Janesch hat am Donnerstag im Klagenfurter ORF-Theater das dreitägige Wettlesen um den Ingeborg-Bachmann-Preis 2010 eröffnet. Ihr Romanauszug "Katzenberge" über die Verwerfungen im polnisch-ukrainischen Grenzgebiet am Ende des Zweiten Weltkrieges kam bei der Jury allerdings gar nicht gut an. Nach ihr las Volker Altwasser seinen Text "Saudade", er erntete ebenfalls deutlich mehr Kritik als Lob. Über Christophler Kloebles Vater-Sohn-Erzählung gab es sehr kontroverse Debatten.

Janesch erzählte die Geschichte eines polnischen Bauern, der seine Heimat verlassen musste, weil sie plötzlich zur Ukraine gehörte. Der Mann zog mit einem Dutzend Schicksalsgenossen nach Schlesien, um dort von Deutschen verlassene Höfe in Besitz zu nehmen. Ihr Protagonist Janecko entdeckt auf einem verlassenen Bauernhof am Dachboden den deutschen Eigentümer, der sich erhängt hatte. In der ersten Nacht auf diesem Hof vermeint er, Stimmen und Schritte zu hören, er beschließt, die Leiche wegzuschaffen. Erzählt wird das Ganze aus der Perspektive des Enkels.

Probleme mit der Erzählperspektive waren denn auch die Hauptkritikpunkte der Juroren. Karin Fleischanderl meinte trocken, der Text interessiere sie eigentlich überhaupt nicht, sprachlich seien es "wohlgesetzte, brave, biedere Bilder". Hubert Winkens sah grundsätzlich ein "gutes, interessantes Thema", die Erzählweise und die Sprache der Autorin würden den Ansprüchen allerdings nicht gerecht. Alain Claude Sulzer hob hervor, dass Janesch die "Isoliertheit in der Fremde" thematisiert und herausgearbeitet habe.

Piraten-Abenteuer "aus dem 19. Jahrhundert"

Der Text von Volker Altwasser dreht sich um einen Fischverarbeiter, der vor der somalischen Küste auf einem Fischtrawler arbeitet, er ist Spezialist für Kurznasenseefledermäuse, deren Haut, im richtigen Moment abgezogen, unglaubliche Preise erzielt. Während er an Bord ist, überlegt er ständig, ob er dem Drängen seiner Frau nachgeben und künftig an Land bleiben soll. Am Ende wird - erwartbar - das Schiff von Piraten geentert.

Für Karin Fleischanderl zerfiel die Erzählung in zwei Teile, dem schloss sich auch Paul Jandl an. Alain Claude Sulzer sah gleich "ganz viele verschiedene Texte", die letztlich aber nicht zusammenpassten. Hubert Winkels meinte, der Stoff sei "aus dem 19. Jahrhundert", Hildegard Keller fehlte der Zusammenhang der vielen Anknüpfungspunkte, die sie in dem Text gefunden habe. Meike Feßmann, die Altwasser vorgeschlagen hatte, verteidigte ihren Autor, der "die Geschichte des Meeres erzählt". Die Figur sei Protagonist einer Trilogie und funktioniere durchaus. Juryvorsitzender Burkhard Spinnen wandte ein, man dürfe die anderen Texte nicht ins Kalkül einbeziehen. Dies sei zwar vielleicht ungerecht, aber Voraussetzung dieses Wettbewerbs.

Christopher Kloebles "Text der Putzigkeit"

Auch Christopher Kloeble las einen Romanauszug. "Der versteckte Mensch" befasst sich mit einer Vater-Sohn-Beziehung, bei der der Sohn bereits im Kindesalter die Vaterrolle übernimmt, da dieser zurückgeblieben ist. In der im Klagenfurter ORF-Theater präsentierten Passage stellt sich heraus, dass der Vater unheilbar krank ist und der Sohn beschließt, bis zu dessen Tod bei ihm zu wohnen.

Winkels sah den Text "völlig abstürzen", weil der Sohn plötzlich beschließe, mit seinem Vater auf "ganz normale Weise" zu kommunizieren. Feßmann widersprach, dies sei zu streng, sie stieß sich eher an der Sprache des Protagonisten. Jandl konstatierte, der Bachmannpreis sei ein "Auffangbecken" für Figuren mit Wahnvorstellungen oder Demenz. Es sei ein "Text der Putzigkeit". Sulzer wandte ein, ihm habe die Umkehrsituation der Figuren gefallen. Kloeble habe die Problemstellung auf eine lockere Weise, und "gar nicht putzig" gelöst, es gehe auch überhaupt nicht um Wahnsinn. Auch Fleischanderl gefiel der Text eigentlich ganz gut. Spinnen sah eine "Versuchsanordnung", die ganz exakt angeordnet sei. Der Gesamtanspruch, der anfangs erstellt werde, könne jedoch nicht ganz eingelöst werden. Keller meinte, ihr Interesse sei "sehr geweckt" worden, die Konstellation sei "anrührend und interessant, durchgespielt zu werden".

Preise werden am Sonntag vergeben

Donnerstagnachmittag sind die Schweizer Wettbewerbsteilnehmer Daniel Mezger und Dorothee Elmiger an der Reihe. Am Freitag macht Thomas Ballhausen den Auftakt, gefolgt von Max Scharnigg, Aleks Scholz, Judith Zander und Josef Kleindienst. Dieser wurde, wie auch Ballhausen, von der österreichischen Jurorin Karin Fleischanderl vorgeschlagen. Die dritte Österreicherin, Verena Roßbacher, wurde von Juryvorsitzendem Burkhard Spinnen ins Rennen geschickt.

Am letzten Lesetag, dem Samstag, beginnt Peter Wawerzinek, nach ihm sind Iris Schmidt und Christian Fries an der Reihe. Verena Roßbacher hat den allerletzten Termin gezogen, sie beschließt das Wettlesen.

Am Sonntag wird ab 11.10 der mit 25.000 Euro dotierte Ingeborg-Bachmann-Preis vergeben. Weiters haben die Nominierten die Chance auf den Kelag-Preis in der Höhe von 10.000 Euro, den 3sat-Preis (7.500 Euro), den Ernst-Willner-Preis (7.000 Euro) sowie den Hypo Group-Publikumspreis (7.000 Euro).

(APA)