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Bachmann-Preis: Gute Kritik für Schweizer Autoren

Dorothee Elmiger erntete beim Wettlesen gute Kritik.
Dorothee Elmiger erntete beim Wettlesen gute Kritik.(c) Puch Johannes (Puch Johannes)
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Daniel Mezger und Dorothee Elmiger, die beiden Schweizer Teilnehmer beim Wettlesen zum Ingeborg-Bachmann-Preis 2010, legten Donnerstag Nachmittag einen starken Auftritt hin. Elmiger erhielt fast ungeteiltes Lob.

Der erste Tag des Wettlesens um den Ingeborg-Bachmann-Preis 2010 ist am Donnerstag nur langsam in Fahrt gekommen. Während die drei Teilnehmer am Vormittag, Sabrina Janesch, Volker Altwasser und Christopher Kloeble, deutlich mehr Kritik als Zustimmung ernteten, legten die beiden Schweizer Teilnehmer Daniel Mezger und Dorothee Elmiger am Nachmittag einen starken Auftritt hin. Während Mezger noch polarisierte, fand Elmiger fast ungeteiltes Lob.

"Tiefen und Tücken" bei Dorothee Elmiger

Elmigers Auszug "Einladung an die Waghalsigen" wurde von den Juroren als apokalyptische Geschichte gelesen, ihre Art, aus bestehenden Werken zu zitieren, sei neu und originell. Paul Jandl meinte gar, der Text habe "Tiefen und Tücken", Meike Feßmann war ganz begeistert. Lediglich Alain Claude Sulzer mochte nicht in den Chor der Jubilare einstimmen, sondern erklärte trocken, er sei froh, dass ihm die anderen den Text erklärt hätten, er fange nämlich rein gar nichts damit an.

Bei Elmiger geht es um einen Ort in einem Kohlerevier, um ein Mädchen, das sich einerseits mit der lokalen Geschichte von Streiks in den Kohlegruben und einer Feuerkatastrophe befasst, andererseits in Büchern, von denen offenbar nicht mehr viele vorhanden sind, imaginäre Reisen an ferne Orte und von anderen beschriebene Geschichten unternimmt. Bei den Zuhörern war die Zustimmung weit weniger ungeteilt.

Bilder eines Verzweifelten bei Daniel Mezger

Daniel Mezgers Romanauszug "Bleib am Leben" erzählt vom Alltag eines Dorflehrers, dessen Gefährtin schwerste psychische Probleme hat und ständige Betreuung braucht. Er zeichnet das Bild eines Verzweifelten, der mit den ihm gestellten Aufgaben nicht mehr zurechtkommt. Er weiß, dass sie ohne ihn nicht (über)leben kann, Panik vor dem Alleinsein hat und ihr Leben zurückhaben will.

Sein Vortrag wurde allseits gelobt, für den Text selbst reichte der Bogen von großer Zustimmung - Paul Jandl nannte ihn "sehr kunstvoll und sehr gelungen" bis zu totaler Ablehnung, etwa durch Karin Fleischanderl, die völlige Belanglosigkeit konstatierte.

Harte Worte am Vormittag

Deutlich mehr schlechte Kritik teilten die Juroren am Vormittag aus. Bei Sabrina Janeschs Romanauszug "Katzenberge" ortete die Jury vor allem Probleme mit der Erzählperspektive. Literaturkritiker Hubert Winkens konzedierte ein "gutes, interessantes Thema", die Erzählweise und die Sprache der Autorin würden den Ansprüchen allerdings nicht gerecht.

Bei der Bewertung von Volker Altwassers Text „Saudade" entschlüpfte einem Juror "Jugendbuch", die Geschichte transportiere zu viele Klischees, hieß es. Meike Feßmann verteidigte hingegen den von ihr vorgeschlagenen Autor, der "die Geschichte des Meeres" erzähle.

Durchwachsen fiel die Bewertung für Christopher Kloebles Romanauszug "Der versteckte Mensch" aus.

Österreicher lesen am Freitag und Samstag

Das Wettlesen um den Bachmann-Preis wird am Freitag um 10 Uhr im Klagenfurter ORF-Theater fortgesetzt. Den Auftakt macht der Österreicher Thomas Ballhausen, gefolgt von Max Scharnigg, Aleks Scholz und Judith Zander. Der Kärntner Josef Kleindienst beschließt die Freitags-Lesungen. Die dritte Österreicherin, Verena Roßbacher, hat den allerletzten Termin gezogen, sie beschließt das Wettlesen am Samstagnachmittag.

(APA)