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Wien, die Stadt der Brücken

(c) APA (MARTIN FICHTER)
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In Wien muss man einiges überbrücken, was uns das Wasser gemeinerweise in die Topografie eingeschnitten hat.

„Der Standortanwalt ist ein Brückenbauer", so steht es auf der Website der Wirtschaftskammer Österreich. Jener, der sich für Wien zuständig fühlt, ist An­dreas Biach, und er nimmt seine Rolle ernst, aber vor allem wortwörtlich: Wien soll zur „Stadt der Brücken" werden und das bitteschön nach außen kommunizieren. Es stimmt, hier muss man einiges überbrücken, was uns das Wasser gemeinerweise in die Topografie eingeschnitten hat. Die Nordbahnbrücke habe das Potenzial, die „Golden Gate" von Wien zu werden. Was hat San Francisco noch? Ah ja, die Lombard Street, die eine Zeit lang als die steilste Straße der Welt galt. Außer Infrastruktur und Lebensstil gibt’s dort nicht allzu viel zu feiern. Wien ist dafür Otto-Wagner-Stadt. Den könnte man – obwohl das Jubiläum schon vorbei ist – auch noch einmal zelebrieren. Seine Mauern vielleicht. Die wirklich zu den schönsten Wiens gehören, wie jene, auf denen die U6 heute das Wiental kreuzt. Man könnte Wien auch zur „Stadt der Ziegel" machen, denn das war sie ja auch schon immer. Ohne diesen Baustoff wären die Gründerzeithäuser nicht geworden, wie sie sind. Und der Wienerberg nicht der Wienerberg. Außerdem hat man aus Ziegeln in Wien noch ganz andere Bauwerke hinterlassen, die man auch „feiern" könnte. Die Aquädukte etwa, die das Wiener Wasser in die „Stadt des Wassers" bringen. Vor allem, weil man sie auch als Fußgänger-Highways nützen könnte. Und das Tollste: Die Highways müsste man gar nicht erst extra ­legen. Sie spannen sich schon vom Rosenhügel mitten in die Weinberge von Perchtoldsdorf. Ein Fall für den Anwalt

("Die Presse - Schaufenster", Print-Ausgabe, 07.02.2020)