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Atemschutzmasken: Ein Zeichen der Fairness

Vorsicht. Brauchen wir demnächst wieder 7,7 Millionen Atemschutzmasken? Ein paar mehr, als die Apotheken jetzt haben, wären gut.
Vorsicht. Brauchen wir demnächst wieder 7,7 Millionen Atemschutzmasken? Ein paar mehr, als die Apotheken jetzt haben, wären gut.(c) APA/HANS KLAUS TECHT
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Zur Grippe gehören in zivilisierten Ländern Schutzmasken. In Asien sind sie längst normal.

Atemschutzmasken sah ich erstmals 1991 in Peking, meist bei Frauen. Auf mich wirkten sie wie aus einem No-Future-Huxley-Orwell-Blockbuster. Mich irritierte diese manische Furcht vor öffentlicher Ansteckung – schon bei uns in Europa hielt ich Hypermisstrauen für ein Ärgernis und derartige Vorsichtsmaßnahmen außerhalb von OP-Sälen für pedantische Kleinbürgerei.

Bald darauf begriff ich, dass es sich gerade umgekehrt verhielt. Die Pekinger Schutzmaskenfrauen waren Bürgerinnen, die unter einem Infekt oder einer Grippe litten und ihre Bakterien nicht in der Öffentlichkeit verteilen wollten. Ich berichtigte meine Meinung: Die vermeintlichen Kleingeister waren kleine Heldinnen des Alltags!

Und in Österreich? Das Tragen von Masken, inklusive Grippemasken, ist in der Öffentlichkeit aufgrund eines Gesichtsverhüllungsverbots – im Oktober 2017 wohl aus überwiegend rassistischen Motiven eingeführt – gesetzlich untersagt. Egal, das Produkt ist in den meisten Apotheken ohnehin ausverkauft. Zu Vogelgrippezeiten (2006) hatte die damalige Gesundheitsministerin immerhin 7,7 Millionen Masken bestellt. Sie blieben bis zu ihrem Ablaufdatum (2016) unverwendet „eingelagert". Letztlich musste der Staat sie dem Handel vertragsgemäß um 4,2 Millionen Euro abkaufen. Ermittlungen über die Hintergründe ihrer Beschaffung wegen ­Verdachts der Untreue und verbotener Intervention – der Ehemann der ­Ministerin hatte für einen der Produzenten gearbeitet – wurden übrigens eingestellt. Solche Vorgänge sind kaum beweisbar.

Während der aktuellen Grippewelle war die Journalistin Corinna Milborn „unsere" erste Prominente, die schlüssig handelte. Nach zwei Live-Hustenanfällen fuhr sie mit Maske U-Bahn (illegal!) und berichtete, wie Leute vor ihr zurückwichen und sie Vierersitze allein genoss. „TV-Star trägt in U1 Schutzmaske", titelte eine Boulevardzeitung, als würde es sich bei diesem Zeichen der Fairness gegenüber den Mitmenschen um eine Sensation oder einen Skandal handeln. Hoffen wir, dass Milborns zivilisierte Geste bald auch andere Teile der Gesellschaft erreicht.

www.amanshauser.at

("Die Presse - Schaufenster", Print-Ausgabe, 07.02.2020)