Gaza-Hilfe: Iran und Hisbollah schicken neue Schiffe

GazaHilfe Iran Hisbollah schicken
(c) AP (Mohammed Ballas)

Auch im Libanon werden zwei Schiffe klargemacht, um die Anker zu lichten, sollte die Regierung in Beirut den Plan nicht vereiteln. Israels Armee will Flotte „angemessen“ empfangen.

JERUSALEm. Trotz der von Israel angekündigten Blockadeerleichterungen für den Gazastreifen machen sich mehrere Gruppen im Libanon und Iran für eine Hilfsfahrt nach Gaza bereit. Schon am kommenden Sonntag soll das vom iranischen Roten Halbmond organisierte „Schiff der Kinder Gazas“ mit 1100 Tonnen Hilfsgütern ablegen. Auch im Libanon werden zwei Schiffe klargemacht, um die Anker zu lichten, sollte die Regierung in Beirut den Plan nicht vereiteln. Laut der libanesischen Zeitung „Al-Liwaa“ fürchtet Beirut eine neue Eskalation der Spannungen in der Region.

Israels Stabschef Gabi Ashkenasi kündigte bereits an, jedes Schiff „angemessen“ in Empfang zu nehmen. „Wenn sie in Frieden kommen, werden wir ebenfalls so reagieren. Wenn nicht, werden wir tun, was wir zu tun haben.“

Noch bevor die Schiffe in See stechen, liefern die beteiligten Parteien einander wilde Wortgefechte. So will der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad iranische Marinesoldaten zur Verfügung stellen, „um Israel eine Lektion zu erteilen“, sollte der Versuch unternommen werden, das Schiff vor Gaza zu stoppen.

 

„Gaza wird kein Hafen des Iran“

Das „Schiff der Kinder Gazas“ ist nicht der erste iranische Versuch, Hilfsgüter in den palästinensischen Küstenstreifen zu liefern. Im Jänner vor einem Jahr, auf dem Höhepunkt des Gaza-Krieges, musste auf Drängen der israelischen Marine das Frachtschiff „Schahed“, das erklärtermaßen Medikamente und Nahrungsmittel an Bord hatte, rund 30Kilometer vor Erreichen seines Zieles abdrehen und Kurs auf Ägypten nehmen.

Stabschef Ashkenasi wiederholte diese Woche, dass Israel nicht zulassen werde, „Gaza zu einem iranischen Hafen werden zu lassen“. Wer medizinische Lieferungen nach Gaza bringen wolle, solle das über den israelischen Hafen von Ashdod tun: „Dort werden wir die Ladungen prüfen und wenn möglich weiterleiten.“

Israels erklärtes Ziel ist, den Schmuggel von Waffen und Materialien, die auch für militärische Zwecke benutzt werden können, zu verhindern. Erst diese Woche hatte die Regierung von Benjamin Netanyahu das Ende der zivilen Blockade angekündigt. Hilfskonvois mit Medikamenten und Nahrungsmitteln erübrigen sich damit.

 

Israels Militär übt vor Küste

Was dem Gazastreifen indes weiterhin verwehrt bleibt, sind Eisenträger und Zement. Beides, so argumentiert Israel, könne von dem islamistischen Regime der Hamas für den Bau von Bunkern missbraucht werden.

Um eine Wiederholung des Desasters vom 31.Mai zu vermeiden, als israelische Marinesoldaten neun pro-palästinensische Aktivisten erschossen, probt Israels Militär seit Tagen den Einsatz vor der Küste und kalkuliert dabei die Ankunft von Selbstmordattentätern ein.

„Die Zionisten fürchten ein Schiff, das Frauen befördert, die Hilfe nach Gaza bringen wollen“, kommentierte Hashem Safieddine, führender Aktivist der libanesischen Hisbollah. Eines der beiden libanesischen Schiffe, die „Maria“, wird nur weibliche Passagiere an Bord haben. „Wie wollen sie dann den Raketen im nächsten Krieg standhalten?“, stichelt Safieddine weiter.

 

Angst vor „Miss Südlibanon“

Doch nicht alle Frauen, die dies wünschen, dürfen auf den Schiffen mitfahren. Die schiitischen Islamisten der Hisbollah erließen ein Verbot gegen Haifa Wehbe, eine libanesische Jazzsängerin. Die frühere „Miss Südlibanon“ darf nicht mit nach Gaza reisen, um die anderen Passagiere durch ihre „Nacktheit und Entartung“ nicht in Verlegenheit zu bringen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.06.2010)