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Streit um Tuts Tod

Streit Tuts
(c) AP (Markus Stuecklin)
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Neue Hypothese vermutet als Ursache nicht die Malaria, sondern eine Krankheit, die vor ihr schützt: Sichelzellenanämie - wer ihre Gene von einem Elternteil ererbt hat, stirbt nicht an Malaria.

An Malaria sei er gestorben, der Pharao, der nur 19Jahre alt wurde. Das schloss ein Team um den Hüter der ägyptischen Altertümer, Zahi Hawass, im Februar aus der bisher umfassendsten Analyse der Mumie Tutanchamuns, auch ihrer Gene: Er sei geschwächt gewesen, einen Klumpfuß habe er gehabt, zudem habe eine Krankheit – Morbus Köhler – die Füße zersetzt. Da habe die Malaria, von der auch Genfragmente in Tuts Körper gefunden wurden, leichtes Spiel gehabt (Jama, 210, S.638).

Nun füllt sich die Leserbriefseite von „Jama“ mit Kritik, die jedes Detail in Zweifel zieht: Eske Willerslev (Kopenhagen), führender Paläogenetiker, bezweifelt, dass sich Gene Tuts erhalten haben; James Gamble (Stanford) sieht keinen Klumpfuß, umgekehrt sieht Irwin Braverman (Yale) einen in die Länge verformten Schädel, die Gruppe um Hawass hat das ausdrücklich ausgeschlossen, Tut habe sich nur so darstellen lassen.

 

Avaskuläre Knochennekrose

Schließlich müsse er nicht an Malaria gestorben sein, erwägen Hamburger Tropenmediziner um Christian Timmann. „Die Defekte in den Fußknochen sind avaskuläre Knochennekrosen, da verstopfen die Gefäße. Das kann von Morbus Köhler kommen“, erklärt der Arzt der „Presse“, „aber auch von der Sichelzellenkrankheit“. Sie war in Ägypten ebenso verbreitet wie die Malaria, sie schützt vor ihr: Wer ihre Gene von einem Elternteil ererbt hat, stirbt nicht an Malaria. Der Preis ist hoch: Wer die Gene von beiden Elternteilen hat, stirbt – an Sichelzellenanämie – im frühen Erwachsenenalter.

Das würde zu Tut passen, es würde auch erklären, warum er überhaupt 19Jahre alt wurde: Malaria tötet schon im Kindesalter. „Unsere Hypothese könnte man mit einer Genanalyse prüfen“, erklärt Timmann: „Wir haben die Kollegen um DNA gebeten, aber bisher haben sie nicht geantwortet. Die werden die Analysen selbst machen.“ Denn sie halten die Hypothese in ihrer Replik auf die Kritik für „interessant und plausibel“. Die anderen Einwände weisen sie zurück (Jama, 303, S.2471).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.06.2010)