Fotografie: Vom Superzoom zur Systemkamera

Fotografie Superzoom Systemkamera
(c) Olympus

Die Aufrüstung der Objektive sorgt inzwischen auch bei Kompaktkameras für eine gute „Fernsicht“. Ambitionierte Hobbyfotografen setzen aber dennoch lieber auf Spiegelreflex und Wechselobjektive.

Die neueren Kompaktkameras mit ihren immer größeren Zoomobjektiven eröffnen Hobbyfotografen neue Perspektiven. Die Olympus SP-800UZ etwa deckt mit ihrem 30-fachen optischen Zoom den kompletten Brennweitenbereich von 28 bis 840 Millimeter ab. Daneben gibt es jede Menge kompakter Digitalkameras mit 24- bis 26-fachem Zoom, wie beispielsweise die Samsung WB5500 oder die Coolpix P100 von Nikon. Gemeinsam ist allen, dass sie sich sowohl für Landschaftsbilder und Porträts als auch für Detailaufnahmen eignen.

 

Selbst ist die Kamera

Hobbyknipser, die einfach nur eine Situation festhalten und ihre Urlaubserinnerungen mit Freunden und der Familie teilen wollen, sind mit solchen Superzoomkameras bestens bedient. Mit ihren immer intelligenteren Belichtungsprogrammen gelingen zuweilen Aufnahmen, die den Vergleich mit einem Profi nicht zu scheuen brauchen. Dem gegenüber stehen die ambitionierten Fotoamateure, die das Jonglieren mit Belichtungszeiten, Blendenstufen und ISO-Werten meist noch aus dem analogen Fotozeitalter im kleinen Finger haben. Sie waren anfangs auch die Zielgruppe der digitalen Spiegelreflexkameras, bei denen man – nachdem die Geräte für den Normalanwender erschwinglich geworden waren – das über viele Jahre angesammelte Know-how wieder in der Praxis einsetzen konnte.

Nach und nach verschwimmen diese Grenzen jedoch: Selbst eingefleischte Profis genießen es mitunter, ohne Nachzudenken einfach auf den Auslöser zu drücken und alles andere den Mikroprozessoren in der Kamera zu überlassen. Andererseits schielen Einsteiger mit neidvollen Blicken auf Porträtaufnahmen, bei denen sich das Hauptmotiv gestochen scharf von einem verschwommenen Hintergrund abhebt, oder auf schnelle Momentaufnahmen, die den Fußballer bei einem Sprung in der Luft einfrieren.

 

Brennweitenverwirrung

Auch ein weiterer Effekt gelingt nur mit den entsprechenden manuellen Einstellungen: zwei Bilder desselben Wasserfalls, wobei sich auf einem Foto das Wasser wie ein zarter Schleier über die Landschaft legt während auf dem anderen jeder einzelne Wassertropfen gestochen scharf in der Luft zu hängen scheint.

Zwar werden für Spiegelreflexkameras sogenannte Reiseobjektive angeboten, die mit einer Brennweite von realen 18 bis 270 Millimetern vom leichten Weitwinkel bis in den starken Telebereich reichen. Dennoch ziehen es manche vor, sich selbst im Urlaub mit schweren Fototaschen abzuschleppen. Der Grund: Da Lichtstärke und Bildschärfe über einen derart weiten Bereich stark variieren, nehmen qualitätsbewusste Fotografen zum „normalen“ Standardzoom oft lieber ein separates Weitwinkelobjektiv mit, das beispielsweise von zehn bis 24 Millimeter reicht, oder ein Tele, das den Bereich von 70 bis 300 Millimetern abdeckt.

Wobei die Millimeterangaben gerade bei Einsteigern oft für Verwirrung sorgen: Um den Zoombereich verschiedener Kameras mit unterschiedlich großen Bildsensoren miteinander vergleichen zu können, hat es sich eingebürgert, die reale Brennweite der Linsen in die vergleichbare Brennweite der traditionellen Kleinbildfotografie umzurechnen, was häufig als „Millimeter KB“ angegeben wird. Um daraus den richtigen Bildausschnitt ableiten zu können, muss der Wert mit dem „Verlängerungsfaktor“ der jeweiligen Kamera multipliziert werden. Bei den normalen Spiegelreflexkameras liegt dieser meist bei 1,5 bis 1,6, bei den kleinen Four-Thirds-Systemen hingegen bei ungefähr zwei. Das heißt, ein Objektiv mit einer Brennweite von zwölf Millimetern liefert den Bildausschnitt, den man in der Kleinbildfotografie mit einem 24-Millimeter-Objektiv erzielt hätte.

 

Alternative Systemkamera

Dies gilt allerdings nur für Kompaktkameras. Bei Systemkameras mit Wechselobjektiven werden immer die echten Brennweiten angegeben. Diese kompakten Systemkameras ohne Spiegel, aber mit Wechselobjektiv und allen anderen Funktionen einer „richtigen“ Spiegelreflexkamera, sollen die Flexibilität der professionellen Geräte mit der Einfachheit der kleinen Kompakten verbinden.

Vertreter dieses noch relativ jungen Genres sind die PEN-Familie von Olympus, die Lumix DMC-GF1 von Panasonic, sowie die neuen Alphas NEX-3 und -5 von Sony.

Aber auch die „richtigen“ Spiegelreflexkameras lernen dazu: Die aktuellen Modelle praktisch aller Hersteller verfügen inzwischen über eine Vielzahl an Automatikfunktionen, die man aber zusätzlich allesamt abschalten kann. Somit ist ein und dieselbe Kamera sowohl für einen schnellen Schnappschuss wie für künstlerische Fotostudien geeignet.

AUS ALT MACH NEU

Ein Tipp für Spiegelreflex-Fotografen: Auf Flohmärkten oder im Internet findet man oftmals noch alte „Normalobjektive“ mit 50 Millimetern Brennweite. Diese sind sehr lichtstark und funktionieren auch mit einer modernen digitalen Spiegelreflexkamera hervorragend. Und man muss dafür auch kein Vermögen hinblättern. Ein 50-mm-Objektiv mit Lichtstärke 1:1,8 etwa gibt es schon um weniger als 100 Euro. Man muss nur darauf achten, dass es auch auf die Kamera passt.