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Griechenland

Wo Rhodos noch ursprünglich ist

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Abseits belebter Strände und Städte zeigt sich Rhodos, die größte der Dodekanes-Inseln, grün, gebirgig, gelassen.

Eine Kulisse wie für Touristen inszeniert, die das Klischee suchen und Lokalkolorit finden. Doch nichts ist gestellt an der friedlichen Szene an diesem Nachmittag auf Rhodos. Denn weder will die stickende Frau verzierte Blusen und Hemden aus Leinen verkaufen noch hat sie sich fotogen vor dem kleinen Laden inszeniert, um Geld dafür zu verlangen.

16 Uhr in Embona zu Füßen des 1215 m hohen Attaviros, von dessen Gipfel man bis nach Kreta schauen kann. Die meisten Ausflügler sind wieder weg, der Bergort ist zu seiner eigentlichen Bestimmung zurückkehrt. Niemand schenkt der Frau noch Beachtung. Neben ihr häufen sich weitere Trachtenteile – alle handbestickt. Als sie unser Interesse spürt, holt Samathia Fareno ein Foto, das sie mit anderen Einheimischen zeigt. Damals, als sie jung war und auf dem Dorfplatz von Embona getanzt hat. Alle tragen die gleichen Gewänder. „Für meine Enkel“, sagt die 71-Jährige, „fertige ich neue Teile mit alten Mustern an. An Festen tragen wir noch Trachten. Denn hier oben in den Bergen halten wir an unseren Traditionen fest.“

Auch die großen Tavernen wurden nicht extra für Touristen gebaut, sondern beherbergen an Hochzeiten und Kindstaufen seit eh und je mehrere hundert Dorfbewohner. Hier befindet sich das größte Weinbaugebiet von Rhodos, einige Keller in Embona bieten Verkostungen an. Schon in der Antike wurde ein guter Tropfen aus Rhodos geschätzt, damals aber mit Wasser verdünnt.

Nicht weit vom Tal der Schmetterlinge leitet Jungwinzer Jason Zafeirakopoulos in dritter Generation das Weingut Anastasia Triantafyllou. „Bald werde ich völlig auf Biokultur umschwenken“, sagt der 27-Jährige. „Immer mehr junge Leute erschließen den Markt mit neuen Ideen.“

Nur wenige Kilometer trennen das ursprüngliche Inselinnere von den belebten Stränden, den Touristenmagneten Rhodos-Stadt und Lindos. Eine Offroadtour führt mitten in eine Westernkulisse aus kahlen Felsen und staubiger Landstraße. Wir cruisen zu den Epta Piges, sieben Quellen im Wald. Aufregender ist das Waten in knietiefem Wasser durch einen stockdunklen, 200 m langen Tunnel, der in einen Stausee mündet. Unter Platanen genießen wir das Essen zusammen mit Pfauen, die zwischen den Tischen herumstolzieren.

Allheilmittel: giftgrüner Likör

Weithin sichtbar leuchtet das große weiße Kreuz als zusätzliche 15. Station am Ende des Prozessionswegs beim Kloster Filerimos. Der gesamte Norden der Insel liegt den Besuchern von dort oben zu Füßen – ein atemberaubender Ausblick. Mönche leben nicht mehr auf dem Hügel, aber an einem kleinen Stand wird giftgrüner Likör aus sieben Kräutern angeboten, der ursprünglich von den Glaubensbrüdern als Allheilmittel zubereitet wurde.

Noch in den 60er-Jahren kannten fast alle Bauern und Fischer auf Rhodos nur die kyrillische Schrift. Im Postamt von Kalavarda, unweit der Ausgrabungsstätte Kamiros, übertrug eine Deutsche Adressen auf Briefe an jene, die als Gastarbeiter in Deutschland lebten, in die lateinische Schrift. Wie die Eltern von Andreas, der in dem Hafen von Kolymbia sein Boot festmacht und frisch gefangene Moränen zeigt: „Vor 50 Jahren habe ich in einer Möbelfabrik in Deutschland gearbeitet,“ berichtet er. „Deshalb nennt man mich Germanos.“ Manchmal geht er hinauf zu der kleinen Kapelle und schaut auf die Hotelbucht – gefühlte Lichtjahre entfernt, obwohl sie direkt an den Felsen grenzt: „Da drüben“, sagt Andreas, „liegt das andere Rhodos. Tourismus ist gut für die Insel. Aber wenn ich ehrlich bin, fühle ich mich in meinem kleinen Hafen wohler.“

INFO

Jeep-Trip: www.rhodesadventures.com

Wohnen: TUI Blue Atlantica Imperial Resort Kolymbia (www.atlantica- hotels.com); Trinity Boutique Hotel: (www.trinityboutiquehotel.gr)

Infos: www.tui.at, www.visitgreece.gr, www.info-rhodes.gr

Die Reise wurde von TUI unterstützt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.02.2020)