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Balkanroute

Hunderte Migranten forderten an serbisch-ungarischer Grenze Asyl

Auch diese Familie hoffte vergeblich auf Einreise nach Ungarn.
Auch diese Familie hoffte vergeblich auf Einreise nach Ungarn.APA/AFP/ISTVAN HUSZTI
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Hunderte Migranten hatten sich Donnerstagabend vergeblich bemüht, die Grenze zu Ungarn zu passieren. Sie wurden zurück nach Serbien geschoben. Innenminister Nehammer lobt die Zusammenarbeit mit Ungarn.

Hunderte Migranten - laut serbischen Medienberichten handelte es sich um 300 bis 400 Personen - waren am Donnerstagabend bemüht, bei Kelebia (Kelebija) die serbisch-ungarische Grenze zu passieren. Rados Djurovic, Leiter des Belgrader Zentrums für Asylhilfe, sieht darin einen verzweifelten Versuch, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.

Die Asylsuchenden hätten sich nach Verbreitung von Falschmeldungen, wonach Ungarn seine Grenzen für sie geöffnet hätte, auf den Weg gemacht, erklärte der serbische Verteidigungsminister Aleksandar Vulin laut ungarischer Nachrichtenagentur MTI.

Wie Djurovic in einem Gespräch mit der Austria Presse Agentur erläuterte, geht es seiner Ansicht nach um die Verzweiflung von Menschen - in der Gruppe befanden sich auch viele syrische Flüchtlinge mit Kleinkindern -, die zu lange darauf warten müssen, in das ungarische Asylsystem aufgenommen zu werden. In einigen Fällen geht es dabei um Wartezeiten, die sich von einigen Monaten bis zu einem ganzen Jahr oder noch länger hinziehen, sagte Djurovic unter Hinweis darauf, dass von den ungarischen Behörden manchmal täglich nur ein oder zwei Migranten aufgenommen würden.

"Die Menschen wollen sichtbar sein und in ein legales Asylverfahrenssystem im Einklang mit den EU und internationalen Normen aufgenommen werden", ist Djurovic überzeugt.

Serbien wird zu neuralgischem Punkt

Im Alltag würden illegale Migranten derzeit von ungarischen, aber auch kroatischen Behörden häufig einfach über die Grenze nach Serbien zurückgeschoben, ohne dass ihnen auch nur die Gelegenheit angeboten wird, um Asyl anzusuchen.

Serbien, wo sich seit geraumer Zeit anhaltend zwischen 6500 und 7000 Migranten aufhalten, wobei inoffizielle Daten von noch höheren Zahlen sprechen, ist laut Djurovic zu einem kritischen Punkt auf der Balkan-Flüchtlingsroute nach Westeuropa geworden. Neuerdings, seit etwa drei Monaten, würden die meisten Migranten in Serbien über Albanien und den Kosovo eintreffen, immer wieder aber auch über Nordmazedonien, Bulgarien und Montenegro.

Über Organisatoren des jüngsten Versuches, die serbisch-ungarische Grenze bei Kelebia zu passieren, hat das Belgrader Zentrum für Asylhilfe keine konkrete Information. Man wisse allerdings, dass die Aufforderung, sich an dem Grenzübergang zu versammeln, über Soziale Netzwerke in arabischer Sprache verbreitet worden sei, präzisierte Djurovic.

Die serbischen Behörden brachten in den frühen Morgenstunden die Flüchtlinge vom Grenzübergang erneut in mehrere Auffanglager in der nordserbischen Provinz Vojvodina zurück. Der Grenzübergang, der von der ungarischen Polizei zuvor für den Verkehr gesperrt worden war, wurde danach wieder geöffnet.

Nehammer lobt Ungarn

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) hat sich bei Ungarn für den Schutz der Außengrenzen und die gute Abstimmung zwischen den Behörden bedankt. Nach den versuchten illegalen Grenzübertritten an der serbisch-ungarischen Grenze hätten die ungarischen Behörden rasch und konsequent reagiert, hieß es am Freitag in einer Aussendung.

"Wir wurden zeitnah informiert und stehen in engem Austausch mit den ungarischen Kollegen. Die ungarischen und serbischen Behörden schützen die Grenze konsequent und verhindern damit ein Weiterwinken nach Mitteleuropa. Das Ziel muss sein, illegale Migranten an den Außengrenzen zu stoppen und mehr Sicherheit in den Herkunftsländern zu schaffen, damit sich die Menschen erst gar nicht auf die gefährliche Reise begeben", so der Innenminister laut Aussendung nach einem Telefonat mit seinem ungarischen Amtskollegen.

Es gelte, aufgrund der angespannten Lage in Griechenland weiterhin wachsam zu bleiben: "Wir beobachten die Lage in Griechenland sehr genau. Wichtig ist, dass es keinen Transport von den Inseln auf das Festland geben darf."

(APA)