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Diese sieben Filme auf Netflix & Co. hätten auch den Oscar verdient

Zu lustig, zu böse, zu seltsam? Emma Stone in „The Favourite“.Fox Searchlight Pictures
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Nicht jeder Film kann den Oscar gewinnen. Auch diesen Sonntag wird die Academy Entscheidungen treffen, die bei vielen für Kopfschütteln sorgen. Doch die Zweitbesten der Oscar-Geschichte werden nicht vergessen: Hier kann man sie streamen.

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The Favourite

Von Yorgos Lanthimos, 2018
Zu sehen auf Sky

Es kann viele Gründe geben, warum ein Film, der einen Oscar verdient hätte – was auch immer das heißen mag –, keinen bekommt. Vielleicht ist die Konkurrenz zu beliebt. Vielleicht spaltet das Thema die Gemüter. Vielleicht hat das Geld für die Kampagne nicht gereicht. Vielleicht sitzen in der Academy lauter Banausen. Vielleicht ist der Film einfach zu schlecht. Oder die Welt noch nicht bereit. Klar: Oft wundert man sich, von welch substanzlosen Machwerken heutige Klassiker einst ausgestochen wurden. Aber ist man denn selbst ein Prophet? Überdies sind die Maßstäbe der Academy derart willkürlich und die Kandidaten oft so verschieden (umso mehr, seit die Kategorie „Bester Film“ im Jahr 2010 ihren Numerus clausus erweitert hat), dass es müßig scheint, vermeintlichen Fehlurteilen nachzuweinen.

Was natürlich am Ärger nichts ändert. Besonders, wenn man sich dachte: Alles, nur das nicht! Wie letztes Jahr: Da gewann das Rassismusdrama „Green Book“. Kein schlimmer Film, aber unfassbar bieder, öd und altbacken im Vergleich zu Spike Lees „BlacKkKlansman“ – oder zu „The Favourite“ von Yorgos Lanthimos. Der ist lustig, böse, schmerzhaft, seltsam und berührend. Also im Grunde kein wirklicher Oscar-Film.

 

Mad Max: Fury Road

Von George Miller, 2015
Zu sehen auf Netflix

Die Oscars waren schon immer ein Feigenblatt der Industrie: Seht her, wir würdigen auch Kunst und wichtige Themen, es geht uns gar nicht nur ums Geld! Die Kehrseite dieser Programmatik ist eine Ausblendung des kommerziellen Kinobetriebs, der freilich auch Tolles hervorbringt – und vor allem bei der Jugend mehr Gewicht hat. Seit einiger Zeit bemüht sich die Academy, entgegenzusteuern. Mit mäßigem Erfolg: Ein Action-Meisterwerk wie George Millers „Mad Max: Fury Road“ mag mittlerweile nominiert werden, gewinnen tut es darob noch lange nicht.

 

Die Verurteilten

Von Frank Darabont, 1994
Zu sehen auf Sky

Wie würden die Oscars wohl ausgehen, wenn sie ein Referendum wären? Wenn man die gesamte Weltbevölkerung nach ihrem Lieblingsfilm des Jahres fragen könnte? Ein absurdes Gedankenexperiment: Bei den Oscars geht es schließlich um den Geschmack der US-Industrie, nicht um den des Publikums. Trotzdem spannend, wie kontextabhängig Konsens-Blasen sein können. Frank Darabonts Gefängnisdrama „Die Verurteilten“ wird auf der Online-Filmdatenbank IMDb seit Ewigkeiten als nutzerstimmenstärkster „Bester Film aller Zeiten“ gelistet. Bei der Oscarverleihung 1995 verlor er gegen „Forrest Gump“.

 

Pulp Fiction

Von Quentin Tarantino, 1994
Zu sehen auf Sky

Es gibt Filme, die so fest im Popkultur-Bewusstsein stecken, dass die Offenbarung ihrer Oscarlosigkeit für überraschte Mienen sorgen kann. Beispiel „Pulp Fiction“: Ja, Quentin Tarantino und Roger Avary heimsten 1995 einen Drehbuchpreis für ihr redseliges Genre-Puzzle ein, doch der Hauptpokal ging an „Forrest Gump“. Heuer darf der Kultregisseur wieder hoffen. Sky

 

Zero Dark Thirty

Von Kathryn Bigelow, 2012
Zu sehen auf Amazon

Düster verliert meist gegen hoffnungsvoll, Ausnahmen zum Trotz. Besonders, wenn's politisch wird. Ein gutes Beispiel wäre Kathryn Bigelows komplexe, ambivalente Bin-Laden-Jagd „Zero Dark Thirty“, die 2012 gegen „Argo“ unterlag – ein humoristisch-heroischer Retro-Politthriller, in dem Hollywood und die CIA zusammenarbeiten, um gefährdete US-Bürger aus dem Iran zu befreien.


 

Sense and Sensibility

Von Ang Lee, 1995
Zu sehen auf Netflix

Der Mini-Aufruhr um Greta Gerwigs „Little Women“ (heuer nominiert) liegt nicht zuletzt an der Minderzahl von Oscar-Siegerfilmen, in denen Frauen im Mittelpunkt stehen. Weibliche Erfahrungswelten, so die Kritik, seien der Academy offenbar nicht aufregend und spektakulär genug. Gerwigs Film hat einige schöne Vorläufer, etwa Ang Lees Jane-Austen-Adaption „Sense and Sensibility“, die auf sieben Statuetten Chancen hatte – aber ausgerechnet „Braveheart“ unterlag.

 

Brokeback Mountain

Von Ang Lee, 2005
Zu sehen auf Netflix

Oft fragt man sich, wie weit es her ist mit der angeblich so progressiven Agenda der Oscars. Fast immer, wenn sich der Academy-Wählerschaft die Gelegenheit bietet, ein Zeichen im Sinne ihres ausgestellten Inklusions-Wertekanons zu setzen, lässt sie diese verstreichen. Paradebeispiel war die Niederlage von Ang Lees (da ist er wieder) schwuler Cowboyromanze „Brokeback Mountain“ – inzwischen als Meilenstein anerkannt – gegen das weit weniger explosive Drama “LA Crash” im Jahr 2006.

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