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Auslandspraktikum

Geduld und gute Planung

Auslands-Praktikant Markus Mitterlehner in Milwaukee. Auf Grund der US-Bestimmungen durfte er allerdings nur unentgeltliche an der dortigen Universität tätig sein.
Auslands-Praktikant Markus Mitterlehner in Milwaukee. Auf Grund der US-Bestimmungen durfte er allerdings nur unentgeltliche an der dortigen Universität tätig sein.FH OÖ
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An vielen Fachhochschulen sind Berufspraktika im Ausland Teil des Studienplans. Sie zu organisieren, ist – je nach Zielland – unterschiedlich kompliziert.

Ein Berufspraktikum im Ausland bringt auch für Studierende der reiseerprobten Generation Erasmus meist neue Herausforderungen. An der FH Burgenland verbringen beispielsweise die Studierenden des Bachelorstudiums Internationale Wirtschaftsbeziehungen ein 15wöchiges Berufspraktikum in Zentral- und Osteuropa. Zwar verfüge man über einen Pool an Unternehmen, die immer wieder gerne Praktikanten aufnehmen, grundsätzlich sei jedoch erwünscht, dass die Studierenden ihr Praktikum selbst organisierten, sagt Birgit Rivalta, Leiterin der Abteilung für Internationales, Kooperationen und Karriere der Fachhochschule. Da es herausfordernd sei, sich in Ländern wie Russland, Kroatien, Ungarn oder Tschechien einen Praktikumsplatz und das Leben für ein paar Monate zu organisieren, habe sich an der FH Burgenland ein semesterübergreifendes „Meet & Greet“ sehr bewährt. „Die Studierenden, die gerade aus den Praktika zurückkommen, erzählen ihren jüngersemestrigen Kollegen, wie das so war.“ Tipps, die bei solchen Anlässen gesammelt werden, betreffen etwa die Wohnungssuche. Dabei gelte Airbnb als Anlaufstelle Nummer eins, sagt Rivalta. Es sei eben nicht einfach, ein leistbares Quartier für nur wenige Monate zu finden. „Bisweilen unterstützt das Praktikumsunternehmen bei der Suche nach einer Bleibe.“

 

Formalitäten früh angehen

In bestimmten Ländern sei es besonders wichtig, sich rechtzeitig um alle Formalitäten zu kümmern. Wer sein Praktikum in Russland absolviere, brauche für die Beantragung des Visums in der Regel die offizielle Einladung des Unternehmens. In Kroatien sei eine Arbeitsgenehmigung vorzuweisen. „Auch die Behördengänge rund um die Übersetzung der erforderlichen Dokumente kann Zeit und Kosten in Anspruch nehmen. Hier unterstützt üblicherweise der Arbeitgeber im Ausland.“

Das Erlangen der Einreiseerlaubnis ist auch in anderen Teilen der Welt nicht zu unterschätzen. „Die oberste Devise beim Beantragen des Visums lautet Geduld – ich musste rund vier Monate warten“, erzählt Lukas Mitterlehner, Medical Engineering-Student der FH OÖ. Mitterlehner verbrachte sechs Monate an der University of Wisconsin-Milwaukee.

 

Achtung, Arbeitsbewilligung

Das J1-Studenten-Visum, das er erhalten habe, berechtige allerdings ausschließlich zu einem praktischen Training an einer akademischen Institution, üblicherweise ohne Gehalt. „Das Arbeiten bei anderen Unternehmen ist mit einem J1-Studenten-Visum nicht gestattet und strafbar.“ Einfacher haben sich die Dinge für Katharina Reisinger dargestellt. Die Studentin der Sozialen Arbeit absolvierte ihr Praktikum in Kenia bei einer Partnerorganisation der österreichischen Dreikönigsaktion. Sie bekam ihr Visum problemlos bei der Einreise am Flughafen. Die Arbeitsgenehmigung könne erst vor Ort beantragt werden – und werde nicht von allen Arbeitgebern verlangt. „Agenturen helfen durch den Bürokratiedschungel und beschleunigen das Verfahren“, sagt Reisinger. Bezüglich Unterkunft bekam Mitterlehner einen Platz in einem Studentenheim, Reisinger in einem Volontärshaus der Dreikönigsaktion. Als Alternativen verweisen beide auf die gängigen Online-Plattformen für Unterkunftsvermietung.

 

Kulturelle Unterschiede

Der formalen Hürden für Auslandspraktikanten ist man sich auch an der FH Salzburg bewusst. Zusätzlich möchte man den Studierenden hier bereits im Vorfeld auch Rüstzeug für den Umgang mit fremden Mentalitäten, Kulturen und Sprachen mitgeben. So bietet das International Office vier Mal pro Studienjahr das Begleitseminar „Internship Cultural Coaching“ an. Hier wird explizit auf Kulturunterschiede eingegangen, die anhand von Fallbeispielen erarbeitet werden. „Zudem besteht eine Betreuung während des gesamten Praktikums, da Tagebucheinträge über beobachtete Kulturunterschiede geführt und abschließend ein Bericht über das Praktikum abgegeben wird“, sagt Teresa Rieger, Leiterin des International Offices.

In sprachlicher Hinsicht können sich die Studierenden zudem über Tandem Learning (informelles Sprachenlernen von deutschsprachigen und fremdsprachigen Studierenden, die sich paarweise zusammentun) auf das neue Land vorbereiten. Erste Einblicke in die Kultur ermöglicht ein Buddy-Programm, bei dem Studierende der FH Salzburg Studierenden aus dem Zielland bei praktischen Belangen unter die Arme greifen. Wichtig, um sich im Auslandspraktikum gut zu integrieren und wohlzufühlen, ist aus Riegers Sicht das Knüpfen von Kontakten außerhalb des Arbeitsplatzes, etwa in (Sport-)Vereinen oder der Unterkunft.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.02.2020)