György Dalos erinnert sich: Vom Stolz, illiberal zu sein

Der jüdisch-ungarische Autor György Dalos war schon als Junger Dissident. Er träumte nicht vom „freien Westen“, sondern von Maos chinesischem Weg. In seinen Erinnerungen blickt er zurück auf Wege und Irrwege.

Der Kommunismus ist heute eigentümlich in die Ferne gerückt. Wo er noch Macht und Einfluss behalten hat, wie in China oder in Vietnam, geschah das durch eine merkwürdige Kreuzung eines autoritären Regimes mit einem neuen Turbokapitalismus. Das Dogma, wonach man den Kommunismus und den Nationalsozialismus in ihrem autoritären und gewalttätigen Potenzial nicht gleichsetzen darf, führt leicht zu einer Verharmlosung der Verbrechen, die der Kommunismus, seitdem er zu einem politischen Faktor der Weltgeschichte wurde – ungeachtet seiner vermeintlich humanen Ziele – begangen hat. Seine ganz eigene Vernichtungsmaschinerie hat tiefe Spuren nicht nur in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion, sondern auch in unseren östlichen und nördlichen Nachbarländern hinterlassen. Auf diesem historisch kontaminierten Boden gedeihen neoautoritäre Regime, die stolz sind, illiberal zu sein.