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Mein Samstag

Discman, hochsensibel

Womöglich muss aber nicht jedes coole Ding von früher in die Gegenwart geholt werden.
Womöglich muss aber nicht jedes coole Ding von früher in die Gegenwart geholt werden.(c) imago stock&people (imago stock&people)
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Als große Freundin der Nostalgie freue ich mich fast immer, wenn Dinge von früher wiederkehren.

Etwa diese formidablen (endlich bringe ich dieses schöne Wort wieder einmal unter) Fanfare-Röllchen, die es ab und zu in limitierter Auflage in den Supermärkten gibt.

Womöglich muss aber nicht jedes coole Ding von früher in die Gegenwart geholt werden. Manche wären sogar ziemlich bedenklich, wie diese Schoko-Zigaretten, die in meiner Kindheit als extrem lässig galten. (Die gibt es eh nicht mehr, oder?) Neulich habe ich gelesen, dass der Discman heuer sein Comeback feiert. Der Discman! Die Erinnerung an meinen ist eher überschaubar positiv. Natürlich war er schick, allerdings auch sehr sensibel: Schon kleinste Erschütterungen warfen ihn komplett aus der Bahn. Bei sachtem Rütteln auf Zugfahrten sprang er wahllos zwischen den Nummern hin und her oder ließ die CD tonlos kreisen. Gut funktioniert hat er eigentlich nur, wenn er bei kompletter Windstille bewegungslos auf einer ebenen Fläche stehen durfte – sprich daheim, wo es eh einen regulären CD-Player gab. Und dann der Batterieverbrauch! Nach zwei Stunden ging gar nichts mehr. Wobei ich vielleicht nicht das allerbegabteste Modell hatte: Kollegen berichten begeistert, dass sie mit ihren Discmen sogar joggen gehen konnten. (Oft ist die Erinnerung, wir wissen es, halt auch verklärt.)

Was aus meinem Discman wurde, weiß ich gar nicht mehr. Mein DVD-Player jedenfalls ist, da seit Jahren kaputt, mittlerweile hauptberuflich als Staubfänger tätig. Dennoch hat mir Amazon, das ja sonst auch alles über mich weiß, ein Angebot geschickt: Beim Kauf von DVDs um 150 (!) Euro wurden mir 75 Euro Rabatt versprochen. Das ist günstig, allerdings halt auch unnötig, wenn man Amazon prime und Netflix abonniert hat. Um die circa 150 DVDs, die sich um das Geld ausgehen würden, unterzubringen, müssten endlich ihre greisen Vorgängerinnen, die VHS-Kassetten, aus den Regalen weichen. Die warten wiederum auf das Comeback des Videorekorders. So durfte etwa die Videokassette namens „Maturareise“ sicher 15 Jahre oder länger nicht mehr zeigen, was in ihr steckt. Wobei: Vielleicht eh besser so.

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.02.2020)