Fehlt bei einem inszenierten Heiratsantrag garantiert nicht: die Fotokamera.
Valentinstag

Der Heiratsantrag als Wirtschaftszweig

Der Valentinstag ist in den USA auch der Tag der Heiratsanträge. Mit einem Ring und einem Kniefall ist dieser aber lang nicht erledigt. Der Antrag dient der Legendenbildung und wird immer öfter um Tausende Dollar von professionellen Planern arrangiert.

Mehr als sechs Millionen Amerikaner werden am Freitag auf die Knie gehen, um die Frage aller Fragen zu stellen. So war es zumindest in den vergangenen Jahren, das belegt etwa eine Auswertung von American Express, die jene Ausgaben rund um das magische Datum erfasst, die auf einen Heiratsantrag schließen lassen. Was für den europäischen Romantiker wie ein recht eigenwilliger Zugang zu dem Thema wirken mag, hat in den USA seine Berechtigung – bei dem Aufwand, der dort rund um den perfekten Antrag gemacht wird. Denn inzwischen werden nicht nur für Hochzeiten gigantische Summen aufgebracht – der Durchschnitt liegt bei umgerechnet rund 30.000 Euro – sondern zunehmend auch für das „Proposal“, wie der Antrag auf Englisch heißt. „Unsere Kunden geben im Durchschnitt 3000 bis 5000 Dollar aus“, berichtet Michele Velazquez, Inhaberin der Agentur The Heartbandits, die seit zehn Jahren perfekte Verlobungsszenarien für ihre Kundschaft organisiert.

„Bei Studierenden sind es manchmal auch nur 500 Dollar, aber das ist sehr selten. Allerdings haben wir auch schon Anträge für 70.000 Dollar organisiert, vor allem NFL-Player geben gern viel Geld dafür aus“, kennt die Eventmanagerin ihre besten Kunden – wobei sich alle Zahlen freilich exklusive Verlobungsring verstehen.

Summen, die wohl nur im Mutterland des Heiratsantrags-Hypes möglich sind. Zwar gibt es auch in Österreich kreative Hilfestellung für die große Frage – unter anderem bei Herzkönigin oder der Hochzeitskoryfee –, allerdings bewegen sich die Preise beispielsweise bei der Herzkönigin um 180 Euro für einen Antrag – eine Summe, um die der heiratswillige Amerikaner meist gar nicht erst auf die Knie gehen möchte. Denn wer als Braut in den USA etwas auf sich hält, will nach der Verlobung nicht nur einen möglichst beeindruckenden Ring vorweisen können – für dessen Preis nach wie vor zwei bis drei Monatsgehälter empfohlen werden –, sondern auch eine Geschichte; eine Legende.