Cathrin Steiner (li.) und Adriana Palmisano eröffnen seit Kurzem auch Bälle.
Tanz

Weiblicher Walzer: Die Emanzipation der Wiener Bälle

Früher war so etwas gesellschaftlich verpönt. Heute aber gehen immer mehr Frauen ohne Mann auf Bälle. Die Veranstalter machen es ihnen leicht: mit Taxitänzern und Workshops. Und miteinander getanzt wird auch.

Das Motto der diesjährigen Ballsaison lautet „Kalte Schulter“. Und zwar nicht nur wegen der schmeichelnden Kleiderkreation dieses Namens, die nackte Schultern mit der freundlichen Andeutung eines Ärmelchens kombiniert und damit auch nicht mehr ganz blutjunge Damen für eine Nacht in den Prinzessinnen-Stand erhebt.

Eine zumindest kühle Schulter zeigen auch immer mehr Frauen, wenn es um die männliche Begleitung für einen der großen Wiener Bälle geht. Allein einen Ball zu besuchen, war gesellschaftlich lange verpönt. Nun wird es zunehmend salonfähig, vor allem für Frauen zwischen 30 und 60 Jahren, sich ohne Mann aufs Parkett zu wagen. Und die meisten erleben eine durchaus rauschende Ballnacht – vor allem deshalb, weil die Veranstalter ihnen mittlerweile entgegenkommen. Durch Taxitänzer oder Workshops, für die man keinen Partner braucht. Und die mutigsten – und jüngsten – brechen die Geschlechterrollen vollends auf und tanzen sogar gemeinsam bei Eröffnungen.

Wer schon länger keinen Ball mehr besucht hat, wird diese Veränderungen eher bemerken als regelmäßige Ballgeher. So erging es zumindest zwei Damen Mitte 50. Die eine, zu Besuch aus dem Ausland, hatte sich sehnlichst einen Ballbesuch gewünscht, die andere ging gottergeben mit. Nicht ohne den Gast zu warnen: „Erwarte dir bitte nicht zuviel. Ohne Partner werden wir uns die Eröffnung ansehen, ein Gläschen trinken, in der Disco inmitten viel zu junger Menschen herumhüpfen, Sacher Würstel essen, bei der Quadrille zusehen und um halb eins nach Hause gehen.“ Denn klar war: Frauen, die miteinander auf einen Ball gehen, waren vor zehn, 15 Jahren nur dann akzeptiert, wenn sie entweder sehr jung waren und damit auf Partnersuche – oder sehr alt und damit ohnedies unsichtbar. Alle anderen hatten entweder mit Partner oder zumindest in einer gemischten Gruppe zu kommen.