Kritik an Soros: 'Fortgesetztes Doping der US-Wirschaft'

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SOROS(c) AP (Wong Maye-e)
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Finanzinvestor Soros hat Deutschland als "Hauptakteur der Euro-Krise" bezeichnet. Nun wird in Deutschland Kritik an der US-Schuldenpolitik laut. Die Sparprogramme der Euro-Zone seien richtig, sagt ein Experte.

Der legendäre Finanzinvestor George Soros kritisierte am Donnerstag in einem Interview mit der "Financial Times Deutschland" (FTD) Deutschland massiv, wie DiePresse.com berichtete. In einem Gedankenspiel schlug er den Deutschen sogar den Austritt aus der Euro-Zone vor: "Das übrige Europa würde dadurch konkurrenzfähiger". Nun kontert Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, in einer Replik in der "FTD". Die Kritik an Deutschland sei ungerecht und eigennützig. "Das eigentlich große Problem ist die labile, gedopte US-Wirtschaft".

Der Euro steckt in der Krise, und Deutschland ist dabei der Hauptakteur", sagte Soros. Die Deutschen würden sich nicht mehr so reich fühlen und würden daher nicht länger als Zahlmeister für das restliche Europa herhalten wollen: "Diese Haltungsänderung ist verständlich, doch sie hat den Integrationsprozess zum Stehen gebracht".

"Fortgesetztes Doping der Wirtschaft"

"Fakt ist, daß die Spar- und Reformprogramme der Euro-Zone richtig sind", sagt Hellmeyer. Er kritisiert die schuldenbasierte Politik der USA: "Die Kritik aus den USA fordert ein fortgesetztes Doping der Wirtschaft. Das ist Drogenmissbrauch. Morphium darf einem Kranken kurzfristig temporär verabreicht werden, um den Heilungsprozess zu begleiten. Die Dauervergabe, die Krugman und Soros hier thematisieren, schafft neue Probleme".

Hellmeyer unterstellt Soros aber auch Krugman, eigene Interessen zu verfolgen: "Die Einlassungen dieser Herren dürfen als US-Interessenvertretung zur Aufrechterhaltung der Kapitalströme in die USA interpretiert werden, mehr nicht, weniger auch nicht. Mit Sachlichkeit oder Unanfechtbarkeit hat das nichts zu tun".

"Kollaps des Euro ist möglich"

Indes legte Soros am Freitag in einem "Handelsblatt"-Interview nach. Obama habe mit seiner Kritik an Deutschland recht. Die Deutschen würden zu viel exportieren und zu wenig für die Binnenkonjunktur tun. Und: "Leider kann man einen Kollaps des Euros und des europäischen Projekts nicht ausschließen."

Erneut bezeichnete er die deutsche Politik als eine Gefahr für Europa: "Stabilität heißt nicht nur keine Inflation, sondern auch keine Deflation. Im Moment treiben die Deutschen die Nachbarn in eine Deflation: Die Schuldenstaaten müssen Löhne und Preise reduzieren. Es droht eine lange Phase der Stagnation. Und die führte zu Nationalismus, zu sozialen Unruhen, zu Fremdenfeindlichkeit. Sie gefährdet also die Demokratie."

(Red.)

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