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Welche Richtung soll die CDU einschlagen?

Annegret Kramp-Karrenbauer wird es wohl nicht. Aber: Kommt der nächste Kanzler - oder die nächste Kanzlerin - wieder von der CDU? Welche Rolle soll die AfD spielen? Diskutieren Sie mit!

Für lange Zeit war die CDU unangefochtene Kanzlerpartei, Deutschland in einem bewegten Europa der Hort der Stabilität. Doch nun geben sich die Chefs der Traditionsparteien die Klinke in die Hand und die Christlichsozialen sind (nicht erst seit dem Chaos in Thüringen) tief in der Krise. Annegret Kramp-Karrenbauer soll ihren Rückzug von der CDU-Spitze damit erklärt haben, dass es „ein ungeklärtes Verhältnis von Teilen der CDU mit AfD und Linken“ gibt.

Innerhalb von 14 Monaten hat Merkels Kronprinzessin ihren Kredit verspielt. Ihr Motto? „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“, schreibt Thomas Vieregge in einem Kommentar. Doch wie geht es weiter? „Nun kommen erneut die 'üblichen Verdächtigen' in der CDU ins Spiel“, so Vieregge. Er nennt die drei nordrhein-westfälischen Kandidaten: Angela-Merkel-Rivale Friedrich Merz, Gesundheitsminister Jens Spahn und Ministerpräsident Armin Laschet.

Letzterer ist zumindest für manche Meinungsforscher der aussichtsreichsten Kanzlerkandidaten der Union. Ihm sei demnach am ehesten zuzutrauen, für die Union Wähler von den Grünen zurückzuholen, wie unser Korrespondent Jürgen Streihammer analysiert.

Der Abgang Kramp-Karrenbauers und der Tabubruch von Thüringen sind nur Symbole für die Krise der Mitte, die Florian Asamer vor einigen Tagen im Leitartikel thematisierte.

Der Kampf aller gegen einen ist weder fair noch erfolgreich.

Eckhard Jesse

Seinen Kommentar zur Lage hat auch der Politologe Eckhard Jesse nach der Wahl in Thüringen in der „Presse“ abgegeben: „Der Kampf aller gegen einen ist weder fair noch erfolgreich. Im Gegenteil: Die AfD profitierte als geächteter Außenseiter vermutlich davon. Es wäre endlich Zeit, rhetorisch gegen diese Partei auf allen Seiten abzurüsten und Sachargumenten den Vorrang zu geben."

„Warum Thüringen – schon wieder?“, fragt hingegen Anneliese Rohrer in ihrer wöchentlichen „Presse"-Kolumne. Rohrer blickt in die Vergangenheit. 1929 brachte es nämlich die NSDAP in Thüringen zur ersten Regierungsbeteiligung in Deutschland: „Historiker begründen den Zulauf zu den Nationalsozialisten damals so: Kleinbürgerliche Wähler, eher links gestimmt, litten in Zeiten der Wirtschaftskrise unter starken Verlustängsten. Ein historischer Protestwille gegen die 'Republik' lässt sich auch vermuten.“ Rohrer: „Die Kopf- und Hilflosigkeit der Traditionsparteien lassen schlimme Folgen befürchten."

Auf einer Metaebene betrachtete Michael Prüller, Sprecher der Erzdiözöse Wien, unseren großen Nachbar Deutschland in der Kolumne „Culture Clash“. Prüller meint, die Nazikeule werde eindeutig zu oft geschwungen - ein „Paradeinstrument der Entzweiung“.

(sk)

Diskutieren Sie mit: Wer soll Merkel beerben? Welche Rolle spielen AfD und Linke? Wie kann eine Zusammenarbeit ausschauen? Wie ist es um Europas Traditionsparteien bestellt? Und: Wie tief sind die Gräben in der Politik?