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Klassik

Hellers „Rosenkavalier“ erntet Beifall, aber auch Buh-Rufe

Katharina Kammerloher in der Rolle der Annina, Günther Groissböck in der Rolle des Baron Ochs auf Lerchenau.
Katharina Kammerloher in der Rolle der Annina, Günther Groissböck in der Rolle des Baron Ochs auf Lerchenau.imago images/Stefan Zeitz
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Bei André Hellers erster Opernarbeit mischte sich auch Klimt unter Faninals Gäste. Unter der musikalischen Leitung von Zubin Mehta in der Berliner „Lindenoper“ überzeugte Günther Groissböck als Baron Ochs.

Die Überraschung war perfekt: Als am Ende André Heller und sein Team vor den Vorhang traten, gab es nicht nur Beifall, sondern auch Buhrufe. Weil man von seiner Regie, mehr noch von seinem Konzept, das er sich für Strauss‘ „Rosenkavalier“ hatte einfallen lassen, nicht überzeugt war? Weil man sich von ihm ein avancierteres, mit bunten Überraschungen garniertes Musiktheater erwartet hatte?

Tatsächlich geht Heller bei seiner ersten Opernarbeit – sieht man von Schönbergs „Erwartung“ und Poulencs „La voix humaine“ ab, die er seinerzeit für Jessye Norman in Paris wirkungsvoll in Szene gesetzt hatte – von einer unkonventionellen Grundüberlegung aus. Er lässt die Handlung nicht, wie es Richard Strauss und seinem kongenialen Librettisten Hugo von Hofmannsthal vorschwebte, im Wien Maria Theresias ablaufen, sondern versucht den Dreiakter aus dem Blickwinkel einer Benefizvorstellung zugunsten des k.k. Kriegswitwen- und Waisenfonds im Februar 1917 darzustellen.

Das lässt sich allerdings nicht unmittelbar aus der Inszenierung schließen, sondern nur aus Hellers Überlegungen im Programmbuch – und den vom Stil dieser Jahre inspirierten, prächtigen Bühnenbildern der österreichischen Malerin Xenia Hausner, die damit nach beinahe dreißig Jahren wieder eine Opernausstattung vorlegt. Sie ist deutlich vom Jugendstil geprägt, von Kolo Moser und Gustav Klimt. Dessen Beethovenfries ziert die Mitte von Faninals weiträumigem Salon, was sich als Tribut an das Beethoven-Jahr deuten lässt. Klimt wie auch seine Muse Emilie Flöge überraschen dann auch als illustre Gäste von Faninal. Er tritt in einem protzig goldgelben, mit einem Orden geschmückten Anzug auf und wird damit als Prototyp des unkultivierten Neureichen plakativ auf die Bühne gestellt.