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Spesen

Überziehung des Kontos kommt Bankkunden teuer

WB/Eizinger
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Für traditionelle Sparer brechen schwierige Zeiten an. Es gibt bereits viele Spesen für Girokonten. Überziehungszinsen liegen laut einer Auswertung der Arbeiterkammer im Schnitt bei zehn Prozent.

Mit der Hypo NÖ hat bereits die erste Bank das klassische Sparbuch zugunsten digitaler Produkte abgeschafft, zudem steigen Gebühren auf Bankprodukte immer weiter an. Insbesondere die Überziehung des Kontos kommt die Kunden oft teuer - im Schnitt fallen dafür laut einer Auswertung der Arbeitskammer (AK) 10 Prozent Zinsen an.

Fünf Prozent Überziehungszinsen sind das Minimum - laut AK bietet das Bankhaus Schelhammer & Schattera mit einem variablen Zinssatz von 5,375 Prozent die besten Konditionen. Das obere Limit liegt dagegen bei einem Fixzins von 13,5 Prozent bei der VakifBank. Zum Vergleich: Laut Konsumschutzorganisation Stiftung-Warentest liegt der durchschnittliche Zins für Kontoüberziehungen in Deutschland bei 9,68 Prozent, also auf ähnlich hohem Niveau wie in Österreich.

Dass immer mehr Banken ihre Überziehungszinsen fix festlegen anstatt mit einem Aufschlag an einen variablen Referenzzinssatz zu binden, ist für AK-Konsumentenschützer Christian Prantner ein "Alarmsignal". Die Zinsen für ein überzogenes Konto seien in den vergangenen Jahren "stabil hoch geblieben", obwohl das allgemeine Marktzinsniveau gesunken sei, so Prantner am Montag zur APA. Hinzu komme meist eine Kontoführungsgebühr, die zwischen 80 und 100 Euro im Jahr ausmache. Wer zudem auf analoge Dienstleistungen am Bankschalter Wert legt, werde ebenfalls zur Kassa gebeten.

"Der Online-Kunde wird belohnt", sagte Prantner. Für diesen gebe es nämlich - auch dank des Aufkommens einiger alternativer Zahlungsverkehrsdienste in den vergangenen Jahren - durchaus attraktive Angebote am Markt. Die AK fordert jedoch, dass auf alle Kunden Rücksicht genommen werde, auch solche, die Online-Banking nicht nutzen können oder wollen. "Wir fordern eine analoge Minimalinfrastruktur", so Pranter. Dies inkludiere Filialen mit Bankschaltern sowie persönliche Beratung. Es müsse auch weiterhin eine Wahlfreiheit zwischen digitalen und analogen Produkten geben. Im Falle der Hypo NÖ, die keine klassischen Sparbücher mehr anbietet, obliege es aber der Autonomie der Bank, ein Produkt abzuschaffen oder auszutauschen. "Rechtlich kommt man dagegen nicht an", so Prantner.

AK fordert Schutzregelung

Damit Girokonten nicht noch mehr Kosten für die Kunden verursachen, hat sich die AK heute explizit gegen mögliche Negativzinsen auf Girokonten ausgesprochen und eine gesetzliche Regelung hierzu gefordert - analog zum geltenden Urteil des Obersten Gerichtshofes (OGH) aus dem Jahr 2009, das Spareinlagen vor Null-oder Negativzinsen schützt. Zwar ist eine Tendenz in Richtung Strafzinsen für die Girokonten-Inhaber derzeit nicht zu sehen, es bestehe jedoch die Gefahr, dass eine Bank damit anfange, Negativzinsen auf Girokonten einzuheben und alle anderen schleichend nachfolgen, so Prantner. Daher wäre eine Schutzregelung für die Verbraucher aus Sicht der AK sinnvoll.

Eine Deckelung des Überziehungszinssatzes an sich ist dagegen laut Prantner eher nicht sinnvoll. Man könne jedoch über eine Decklung des erlaubten Aufschlags auf den Referenzzinssatz nachdenken.

(APA)