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Die nächsten Absagen: Droht Mobile World Congress das Aus?

Das Coronavirus bringt die Veranstalter des Mobile World Congress unter Druck (Archivbild von 2019).
Das Coronavirus bringt die Veranstalter des Mobile World Congress unter Druck (Archivbild von 2019).(c) APA/AFP/PAU BARRENA
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Sechs Hersteller hatten bereits angekündigt, aufgrund der neuartigen Lungenerkrankung der größten Mobilfunkmesse Europas fernzubleiben. Nun folgen weitere. Der Veranstalter versucht mit Präventivmaßnahmen zu beruhigen.

Barcelona. Das Coronavirus bringt die Veranstalter des Mobile World Congress (MWC) unter Druck. Die größte Mobilfunkmesse Europas droht zur Geisterveranstaltung zu werden. Innerhalb einer Woche haben sechs große Hersteller abgesagt. Nach LG, Ericsson, TCL, Chiphersteller Nvidia und Amazon kündigte am Montag auch noch der japanische Hersteller Sony an, aus Sicherheitsgründen nicht an der Messe teilzunehmen. Die Produktpräsentation wurde kurzerhand ins Internet verlegt und soll nun als Livestream stattfinden. Dass weitere Firmen diesem Beispiel folgen, ist nicht auszuschließen. Die Liste der Absagen wird länger. Denn der Chip-Hersteller Intel wird ebenfalls nicht an der Messe teilnehmen. Genau so wie der japanische Provider NTT Docomo und Smartphone-Hersteller Vivo.

ZTE und Samsung kündigten hingegen an, ihre Präsenz aufgrund der neuartigen Lungenerkrankung nur einzuschränken und weniger Firmenvertreter zu entsenden. Beide Unternehmen betonten, als Aussteller jedoch trotzdem teilzunehmen. Huawei, mit zwei Ständen flächenmäßig der größte Hersteller, schickt als Maßnahme seine Mitarbeiter schon zwei Wochen vorher nach Barcelona. Damit soll eine Infizierung der Mitarbeiter ausgeschlossen werden. Lenovo und HTC bekräftigten ebenfalls, dass sie trotz der derzeitigen Gesundheitskrise an der Messe teilnehmen werden.

Indes versucht der Branchenverband GSMA, der die Messe seit den 1980er-Jahren ausrichtet, mit entsprechenden Maßnahmen die Sicherheit der Messeteilnehmer zu gewährleisten und zu beruhigen. Eine Absage der Messe stehe derzeit nicht zur Diskussion.

So wird Reisenden aus der Provinz Hubei der Zugang auf das Messegelände generell verwehrt. Zu den bereits üblichen Sicherheitsvorkehrungen beim Eingang soll es zudem regelmäßige Fiebermessungen geben.

Personen aus China müssen mit einem Gesundheitsattest beweisen, dass sie nicht infiziert sind und auch keinen Kontakt mit Corona-Patienten hatten. Außerdem müssen sie nachweisen, dass sie zwei Wochen außerhalb des Landes verbracht haben. Wie diese Kontrollen in der Praxis stattfinden sollen, erläutert der Verband nicht.

 

Händeschütteln verboten

Das ärztliche Personal wurde ebenfalls aufgestockt und auch die Hygienemaßnahmen wurden angepasst. Bereiche, die besonders stark frequentiert werden, beispielsweise die Cateringzonen und Sanitäranlagen, sollen verstärkt desinfiziert werden. Desinfektionsspender für die Teilnehmer sollen ebenfalls in den acht Hallen aufgestellt werden. Zudem wurde das Händeschütteln verboten.

Doch nicht nur Aussteller springen ab. Aufgrund gestrichener Flugverbindungen zwischen China und Spanien erwartet die GSMA einen deutlichen Besucherrückgang. Ein finanzieller Schlag für Barcelona.

Hotels sind meist Wochen im Voraus ausgebucht. Knapp 14.000 Menschen sind während der einwöchigen Veranstaltung im Rahmen der Messe beschäftigt. Schätzungen zufolge spült der MWC, der heuer vom 23. bis 27. Februar stattfindet, knapp 470 Millionen Euro in die Stadt.

Im Vorjahr nahmen mehr als 109.000 Besucher an der Fachmesse teil, davon 6500 aus China. Von den 2800 Ausstellern sind 50 aus China.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.02.2020)