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Energie

Russisches Schiff soll Nord Stream 2 fertigstellen

Wladimir Putin hatte im Jänner gesagt, dass Russland die Gaspipeline Nord Stream 2 aus eigener Kraft fertigstellen könne (Archivbild).
Wladimir Putin hatte im Jänner gesagt, dass Russland die Gaspipeline Nord Stream 2 aus eigener Kraft fertigstellen könne (Archivbild).(c) APA/AFP/TOBIAS SCHWARZ
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Das russische Verlegeschiff „Akademik Tscherski“ machte sich auf den Weg Richtung Ostsee. Damit sollen die Arbeiten an der Pipeline, die seit Verhängung von US-Sanktionen stehen, in mehreren Wochen wieder weitergehen.

Wien. Angekündigt hat es der russische Präsident Wladimir Putin bereits Anfang Jänner. Nun hat Russland sein eigenes Spezialschiff für die Verlegung von Untersee-Pipelines in Bewegung gesetzt. Die „Akademik Tscherski“ legte vom Hafen Nachodka im äußersten Osten Russlands im Japanischen Meer ab und nahm zunächst Kurs nach Süden, wie auf Schiffsradaren im Internet am Montag zu sehen war.

Dem Radar Vesselfinder.com zufolge soll das Schiff des russischen Gasmonopolisten Gazprom am 22. Februar in Singapur ankommen. Danach dürfte es durch den Indischen Ozean Richtung Westen fahren und schlussendlich Kurs auf die Ostsee nehmen.

Denn Russland hatte bereits kurz nach Verhängung der US-Sanktionen gegen am Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 beteiligte Unternehmen erklärt, dass die „Akademik Tscherski“ die Bauarbeiten in der Ostsee fertigstellen könne. Das mit rund zehn Mrd. Euro veranschlagte Projekt ist nach Darstellung des Energieministeriums in Moskau zu 94 Prozent fertig. Es fehlten noch rund 160 Kilometer an Röhren, damit die Leitung mit zwei Strängen von insgesamt 2400 Kilometern vollständig sei.

 

Ein Brief reichte aus

Die Schweizer Firma Allseas, die mit Spezialschiffen Rohre in der Ostsee verlegt hatte, stellte Ende vorigen Jahres ihre Arbeiten wegen der US-Sanktionen ein. Konkret hatte US-Senator Ted Cruz in einem Brief an Allseas-Eigentümer Edward Heerema gedroht, dass das Unternehmen „erdrückende und potenziell existenzbedrohende rechtliche und wirtschaftliche Sanktionen“ hinnehmen werden müsse, sollte Allseas auch nur einen einzigen Tag weiter an der Fertigstellung der Ostseepipeline arbeiten.

Die USA warnen einerseits vor einer zu großen Abhängigkeit der EU von russischem Gas. Zudem sehen sie die Pipeline als Problem für die Ukraine, die mit den USA verbündet ist und bisher durch den Gastransit viel Geld verdient. Außerdem wollen die Amerikaner das Projekt auch verhindern, damit sie eigenes Flüssiggas, das teurer ist als russisches Leitungsgas, in Europa verkaufen können.

Ursprünglich sollte die Leitung Ende vorigen Jahres fertig sein. Deutschland, wo Nord Stream 2 anlanden soll, hatte die Sanktionen der USA kritisiert, aber keine weiteren Schritte dagegen gesetzt. Mehrere EU-Staaten, darunter Polen, sind jedoch selbst gegen das Projekt, weil sie einen zu starken Einfluss Russlands auf dem Energiemarkt befürchten. Sie unterstützen deshalb die US-Position.

Kreml-Chef Wladimir Putin hatte im Jänner gesagt, dass Russland das Projekt aus eigener Kraft fertigstellen könne – bis Ende dieses Jahres oder Anfang 2021. Bis die „Akademik Tscherski“ in der Ostsee ankommt, dürfte es jedoch mehrere Wochen dauern. Ob sie die Arbeiten dann in der Qualität von Allseas weiterführen kann, wird sich erst weisen.

 

Neue Sanktionsrunde?

Und auch wenn das russische Spezialschiff die technische Aufgabe übernehmen und die Rohre in der Ostsee ordnungsgemäß verlegen kann, sind die Sorgen für Gazprom und die an dem Projekt beteiligten Unternehmen – darunter auch die OMV – nicht ausgestanden. Wie berichtet drohen die USA nämlich für diesen Fall mit einer weiteren Sanktionsrunde.

Laut diplomatischen Kreisen in Washington könnten diesmal die europäischen Investoren, die an der Pipeline beteiligt sind, oder jene Firmen, die das Gas abnehmen wollen, betroffen sein. Das würde neben der OMV vor allem die deutsche Uniper und Wintershall Dea sowie die französische Engie und die britisch-niederländische Shell betreffen. Sie tragen zusammen 50 Prozent der Finanzierung des Projekt. (DPA/jaz)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.02.2020)