Schnellauswahl
Lungenkrankheit

Coronavirus: WHO-Chef warnt vor "ernster Bedrohung für die Welt"

Menschen gehen von Bord der "Diamond Princess".
Menschen gehen von Bord der "Diamond Princess".(c) AFP (CHARLY TRIBALLEAU)
  • Drucken
  • Kommentieren

Die im Ausland bekannten Fälle könnten nur die Spitze des Eisbergs sein, sagt die WHO. In China werden Infizierte ohne Symptome mittlerweile nicht mehr in die Statistik aufgenommen, obwohl sie das Virus übertragen können.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt mit drastischen Worten vor der Ausbreitung des Coronavirus: Zwar beschränkten sich derzeit noch rund 99 Prozent der Infektionsfälle auf China, doch stelle das Virus auch eine "sehr ernste Bedrohung für den Rest der Welt dar", sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Dienstag in Genf zum Auftakt einer internationalen Experten-Konferenz.

"Das Wichtigste ist, die Ausbreitung aufzuhalten und Leben zu retten", sagte Tedros vor den rund 400 Forschern und Experten aus aller Welt. "Gemeinsam können wir das schaffen", fügte er hinzu. Die WHO hatte zuletzt betont, dass rund 80 Prozent der Infektionen einen milden Verlauf nähmen: Die Fälle, die derzeit außerhalb Chinas bekannt sein, könnten nur die „Spitze des Eisbergs“ sein, hieß es.

In China sind inzwischen mehr als 1000 Menschen an der Infektion mit dem neuartigen Coronavirus gestorben. Mehr als 42.000 weitere sind nach offiziellen Angaben infiziert, die Dunkelziffer dürfte noch weit höher sein. Denn Chinas Gesundheitskommission zählt Menschen, bei denen das Virus mit einem Test nachgewiesen wurde, die aber keine Symptome der Lungenkrankheit zeigen, schon seit einigen Tagen nicht mehr mit - ein Vorgehen, dass klar der Definition der WHO widerspricht.

Suche nach Impfstoff

In welchem Ausmaß Infektionen gar nicht erst erfasst werden, ist vollkommen unklar. Mit dem Coronavirus infizierte Menschen können in der Inkubationszeit schon selbst ansteckend sein - auch wenn sie keine Symptome zeigen. Experten gehen in der Regel von bis zu 14 Tagen aus.

Am Dienstag forderte der WHO-Chef alle betroffenen Länder erneut auf, ihre medizinischen und wissenschaftlichen Daten zu teilen. Gleichzeitig rief er zu globaler Solidarität auf.

Das zweitägige von der WHO organisierte Treffen soll zur Eindämmung der Krankheit beitragen. Forscher arbeiten derzeit an einem Impfstoff und gehen den Verbreitungswegen der Atemwegserkrankung auf den Grund. Vermutlich wurde das Virus im Dezember auf einem Fischmarkt der Stadt Wuhan, auf dem auch Wildtiere verkauft wurden, erstmals auf Menschen übertragen.

Japan: Infektion erst beim zweiten Test bestätigt

Am Dienstag sorgte außerdem ein Fall aus Japan für Aufsehen: Zwei aus Wuhan evakuierte Japaner sind an dem Virus erkrankt, obwohl ihre Tests zuvor negativ ausgefallen waren. Wie das japanische Gesundheitsministerium am Dienstag mitteilte, wurde einer von ihnen sogar zwei Mal getestet, ohne dass das Virus entdeckt worden wäre. Beide Männer waren Ende Jänner aus Wuhan, dem Epizentrum des Ausbruchs, ausgeflogen worden.

Dutzende weitere infizierte japanische Staatsbürger befinden sich zudem auf einem unter Quarantäne stehenden Kreuzfahrtschiff vor der Küste des Landes. Bisher sind auf der "Diamond Princess" mehr als 130 Menschen erkrankt. Weiterhin herrscht aber Unklarheit über das Ausmaß der Infektionen an Bord. In Tokio werde diskutiert, ob alle an Bord verbliebenen 3600 Menschen auf den Erreger getestet werden sollen, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. 

Aus Sorge vor dem neuartigen Coronavirus kann unterdessen ein aus Hongkong kommendes Kreuzfahrtschiff nicht andocken - obwohl keine Fälle an Bord bekannt sind. Thailands Gesundheitsminister Anutin Charnvirakul erklärte am Dienstag auf Facebook, er habe untersagen lassen, dass das Schiff festmacht. Zuvor hatten dies schon Taiwan und Japan verweigert, wie die Reederei Holland America Line schilderte.

(APA/AFP/dpa)

Mehr erfahren

Coronavirus

Chinas Virus-Dilemma

Krankengeschichte

Coronaviruspatient: „Es war fast wie im Hotel“

China

Peking geht mit Drohnen gegen das Coronavirus vor