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Literatur

Gewinnt Lyrik in Leipzig?

Leipziger Buchmesse (Archivbild)
Leipziger Buchmesse (Archivbild)(c) imago/imagebroker (imago stock&people)
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Die Shortlist zum Leipziger Buchpreis: Mondlyrik, Kinderrevolution, Radikalisierung und eine Biografie aus dem Zsolnay-Verlag.

Ein einziges Buch aus einem österreichischen Verlag steht heuer auf der Shortlist für den Leipziger Buchpreis – in der Kategorie Sachbuch: Es ist eine Biografie des jugoslawischen Dichters Ivo Andrić, verfasst vom deutschen Journalisten und Autor Michael Martens („Ivo Andrić. Ein europäisches Leben“). Sie ist laut Jury „die erste deutsche Biografie des jugoslawischen Nobelpreisträgers“, außerdem „ein Buch über die europäische Geschichte des Balkans“, „selbst für informierte Leser voller Überraschungen“.

Kein Österreicher wird im März auf der Leipziger Buchmesse mit dem Literaturpreis ausgezeichnet. Einen Österreich-Bezug gibt es jedoch mit der 1978 in Ulm geborenen Verena Güntner, die am Mozarteum in Salzburg studierte und 2013 beim Bachmann-Wettbewerb den Kelag-Preis gewann. Ihr Roman „Power“ erzählt von einem dahinschwindenden, von Alten dominierten Dorf, das in den Ausnahmezustand gerät, als die Kinder sich gemeinsam in den Wald absetzen.

Die deutschen Autoren Ingo Schulze und Lutz Seiler sind auf der Literatur-Shortlist die bekanntesten Namen, beider Romane handeln von der deutschen (Nach-)Wendezeit. Der gebürtige Dresdner Schulze stellt in „Die rechtschaffenen Mörder“ einen Dresdner Antiquar in den Mittelpunkt, der in der DDR von vielen als Bücherhüter und Fels in der Brandung des schlimmen Zeitgeists geschätzt wird – aber plötzlich ein ganz anderes Gesicht zu zeigen scheint: das eines gewaltbereiten Reaktionärs. Lutz Seiler, der 2014 für seinen Bestseller „Kruso“ den Deutschen Buchpreis erhielt, schildert in „Stern 111“ die Tage nach dem Ende der DDR anhand eines Paares um die 50, das für einen Lebenstraum alles hinter sich lässt, und ihres Sohns in Berlin.

 

„Lunatischer“ Lyrikband

Viel überraschender als diese zwei Titel ist ein Lyrikband auf der Shortlist, „Luna Luna“ von Maren Kames: laut Jury „eine Beschwörung des Mondes als Collage von Sounds und Anspielungen, die es voller anarchischem Witz mit der Tradition der lunatischen Dichtung aufnimmt“. Dazu kommt noch der Roman „Allegro Pastell“ von Leif Randt über eine „ganz normale“ glückliche Liebe in den späten 2010er-Jahren und die Herausforderung, sie zu erhalten. (sim)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2020)