Schnellauswahl
Bilanz

Delivery Hero setzt voll auf Umsatzwachstum

Delivery Hero wächst rasant. Nur beim Gewinn ist Geduld gefragt.
Delivery Hero wächst rasant. Nur beim Gewinn ist Geduld gefragt.imago images/Reiner Zensen
  • Drucken
  • Kommentieren

Der globale Essenzusteller will den Umsatz heuer um 70 Prozent steigern. Dass er dafür weiter hohe Verluste – 60 Cent je gelieferter Pizza für zehn Euro – einfährt, ficht ihn nicht an. Immerhin schreibt er in Europa schon schwarze Zahlen.

Berlin. Der deutsche Essenlieferdienst Delivery Hero setzt auch im neuen Jahr auf steiles Wachstum und nimmt dabei weitere Verluste in Kauf. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen den Umsatz auf 1,46 Milliarden (2018: 687 Millionen) Euro wie erwartet mehr als verdoppelt. 2020 will Vorstandschef Niklas Östberg ihn um rund 70 Prozent auf 2,4 bis 2,6 Mrd. Euro schrauben.

 

Weiter rote Zahlen

Dabei wird Delivery Hero allerdings weiter in den roten Zahlen stecken bleiben. Angepeilt werde eine negative operative Umsatzrendite (bereinigte Ebitda-Marge) von 14 bis 18 Prozent, teilte das Unternehmen am Dienstag in Berlin mit. Das entspräche nach Berechnungen der Analysten von Citi einem Verlust im operativen Geschäft (Ebitda) von 336 bis 468 Millionen Euro.

 

Mögliche neue Investitionen

Östberg schloss aber nicht aus, dass Delivery Hero im laufenden Jahr zusätzlich 200 Mio. Euro für Investitionen in die Hand nehmen könne – beispielsweise dann, wenn sich die Möglichkeit ergäbe, auf einem lukrativen Markt in eine führende Position ein- und aufzusteigen. Im vergangenen Jahr lag die operative Marge bei minus 29,6 Prozent. Mit 432 Mio. Euro fiel der operative Verlust damit höher aus als die zuvor veranschlagten bis zu 420 Mio. Euro. Mit jeder Pizza für zehn Euro, die das Unternehmen ausliefert oder liefern lässt, schreibt Delivery Hero eigenen Angaben zufolge 60 Cent Verlust.

Die anhaltenden Verluste missfielen den Börsianern gestern anfänglich sehr, etwas später drehte die Aktie aber in den grünen Bereich und lag am Nachmittag zeitweise mit fünf Prozent im Plus. Die Umsatzplanungen lägen zwar um acht Prozent über dem Schnitt der Analystenschätzungen, der Verlust auf Ebitda-Basis falle jedoch deutlich höher aus, als die Experten prognostiziert hätten, hieß es in der Citi-Studie.

 

„Müssen geduldig sein“

Östberg ficht das nicht an. Ein Ziel, wann Delivery Hero auf Konzernebene aus den roten Zahlen komme, gebe es nicht, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters: „Wir müssen geduldig sein und warten, wann der Break-even kommt.“ In Europa hat Delivery Hero die Gewinnschwelle im vierten Quartal wie geplant schon erreicht. Auch 2020 sollen hier schwarze Zahlen zu Buche stehen. Das Geschäft in Deutschland hatte Delivery Hero an den Rivalen Takeaway.com (Lieferando) verkauft, ist aber immer noch in über 40 Ländern aktiv. In Österreich ist Delivery Hero mit Mjam vertreten. (APA/est)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2020)