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Stahlindustrie: Voestalpine fährt Sonderschichten

Stahlindustrie Voestalpine faehrt Sonderschichten
(c) APA (HANS KLAUS TECHT)
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Durch eine Innovation im Stahlbereich gibt es wieder hohe Zuwachsraten. Um zehn Prozent soll die Automotive-Sparte der Voest heuer wachsen. Fast jede dritte Tonne Stahl geht an die Autobranche.

Stuttgart. Von der Autokrise spürt man in Schwäbisch Gmünd bei Stuttgart kaum noch etwas. Die Voest-Tochter Polynorm muss seit Kurzem wieder Sonderschichten fahren, um die Nachfrage der Kunden – vor allem der deutschen Premiumhersteller BMW, Mercedes und Audi – stillen zu können. „Die Krise hat uns im Vorjahr extrem erwischt“, sagt Franz Hirschmanner, der für den Automobilbereich zuständige Voest-Vorstand. „Unsere Kunden haben so gut wie gar nicht von den Verschrottungsprämien profitiert. Für heuer erwarten wir aber wieder ordentliche Zuwachsraten.“

Um zehn Prozent soll die Automotive-Sparte der Voest heuer wachsen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erzielte der heimische Stahlriese mit der eigenen Produktion von Autoteilen – trotz eines Rückgangs um 15 Prozent – mit 835 Mio. Euro knapp ein Zehntel des Gesamtumsatzes. In Summe ist die Autobranche aber der wichtigste Abnehmer für den Stahl aus Linz und Donawitz – fast jede dritte Tonne Stahl wird zu einem Kofferraumdeckel oder einem Kotflügel verarbeitet.

 

Härte samt Rostschutz

Helfen soll der Voest bei ihrem Wachstum vor allem eine technische Innovation, die erst vor zwei Jahren die Forschungsabteilung verlassen hat. Dabei handelt es sich um ein spezielles Härtungsverfahren für Stahl, bei dem erstens die Genauigkeit besonders hoch ist und zweitens der Korrosionsschutz erhalten bleibt, was bisher unmöglich war. Sechs Jahre forschte die Voest an diesem Verfahren. 25 Mio. Euro wurden investiert. „Es ist rechtzeitig zu Beginn der Krise produktionsreif geworden und hat uns enorm geholfen“, sagt Hirschmanner.

Inzwischen verwenden BMW, Porsche und Mercedes die neuen Teile in ihren Fahrzeugen – vor allem bei sicherheitsrelevanten Bauteilen. „Sie sind leichter als normaler Stahl und trotzdem fester. Die Konkurrenz ist uns meilenweit hintennach“, sagt Voest-Forschungschef Peter Schwab. Produziert wird bei Polynorm in Schwäbisch Gmünd, das im „Auto-Dreieck“ von Stuttgart, München und Ingolstadt liegt. Nur BMW hat inzwischen selbst zwei Anlagen in Betrieb genommen. „Für diese zahlen sie uns aber“, sagt Hirschmanner.

Schon jetzt erzielt Polynorm mit dem neuen Stahl ein Viertel seines Gesamtumsatzes von 220 Mio. Euro. Für die Zukunft erwartet Hirschmanner in diesem Bereich ein Wachstum „deutlich über den zehn Prozent des restlichen Automotive-Bereiches“. Die ersten Massenhersteller hätten schon an die Türe geklopft, man stehe gerade in Verhandlungen. Damit dürfte auch der Autobereich der Voest, in dem 5000 der insgesamt 40.000 Mitarbeiter beschäftigt sind, wachsen. Nur für die Kunststoffsparte von Polynorm sucht die Voest weiter einen Abnehmer.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.06.2010)