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Lokalkritik

Die Suppe aus der Teekanne: Testessen im Boxwood

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Küchenpointillismus und "Reisling" im Glas: das Boxwood im ersten Bezirk.

Praktisch, wenn man seinen Nachnamen einfach ins Englische übersetzen kann und damit gleich den Namen für sein neues Lokal hat: Benjamin Buxbaum führt nun nicht nur das gleichnamige Lokal im stimmungsvollen Heiligenkreuzerhof in der Wiener Altstadt, sondern auch das, erraten, Boxwood. Es liegt quasi gegenüber, nur versetzt außerhalb des Hofs, umzingelt von Touristenfallen, die „Wiener Schnitzel from chicken“ und Ähnliches ­bieten.

Das Boxwood ist tatsächlich fast so lang wie die gesamte Grashofgasse, dieses ein Haus lange Sackgässchen. Die Wahl des Interieurs mit seinen beigen und taubenblauen Samtstühlen würde es jederzeit problemlos erlauben, das langgestreckte Restaurant in ein beliebiges Hotel in Madrid, Bratislava oder Danzig zu verpflanzen – man weiß ja nie! (Dann eben als boj, krušpán oder bukszpan geführt.)

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Für die Küche verantwortlich ist Martin Zeißl – schon im Buxbaum-Team, davor etwa im Motto am Fluss. Zum Starten sieht er zwei Sieben-Euro-Kleinformate vor, ­Pastrami von der Boa-Farm mit sehr gutem Gurkenrelish sowie Erdäpfelkas mit knus­prigen Zwiebeln und erfrischenden eingelegten Radieschen – ein gelungener Snack, eines der Highlights des Menüs. Präzise abgeschmeckt der vermeintliche Kinderschreck Brokkolicremesuppe, der hier in neuem Gewand auftaucht, nämlich in einer gusseisernen Teekanne, begleitet von Crostini mit gebratenem Brokkoli und Tupfen von Kamillengel (?).

Der nicht ganz zeitgemäße und von Gelierhelferleins ermöglichte Küchenpointillismus ist hier bis zum Schluss zu beobachten: Da gibt es Tupfen aus Erdnusscreme zum dünn aufgeschnittenen rosa Kalbsrücken mit Topinamburchips als Vorspeise (16 Euro), solche aus Apfel zu den reizenden knusprig frittierten, zuckerbestäubten Apfelteig­taschen (8 Euro) und solche aus grünem Fragezeichen zum Wolfsbarsch. Der im Bananenblatt zu trocken gegarte Fisch zählt nicht zu den besten Gängen – aufgebahrt auf Kichererbsen, eingefriedet von zwei Sesamteigzäunen, bedeckt von Mangowürfeln, denen eine geringere Kantenlänge gutgetan hätte (26 Euro). Viel besser der Zander mit Fisolen – und vor allem die perfekt gegarten Linsen mit Speck dazu, den Hartschalen-Forellenkaviar darauf hätte es nicht gebraucht (26 Euro).

Auf der zu lektorierenden Weinkarte: hauptsächlich Österreichisches und einige Unbekannte wie ein „Reisling“. Ist der mit dem Kärntner „Raindling“ verwandt, der hier in Parfaitform (und von Passionsfruchttupfen begleitet) auf der Dessertkarte steht?

Info

Boxwood, Grashofgasse 1, 1010 Wien, Tel.: +43/(0)1/295 88 99, Restaurant: Mi–Sa: 18 bis 24 Uhr.

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("Die Presse - Schaufenster", Print-Ausgabe, 14.02.2020)