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Amazonas-Synode

Papst will keine Lockerung des Zölibats

Der Vatikan veröffentlichte das postsynodale Schreiben des Papstes (hier im Bild bei der Generalaudienz am Mittwoch).
Der Vatikan veröffentlichte das postsynodale Schreiben des Papstes (hier im Bild bei der Generalaudienz am Mittwoch).APA/AFP/FILIPPO MONTEFORTE
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Franziskus beklagt die "kolonialistische Ausbeutung" der Umwelt und der lokalen Bevölkerungen in Amazonien. Er will die Präsenz von Laien-Gemeindeleitern fördern.

Im Vatikan ist am Mittwoch das postsynodale Schreiben des Papstes mit den Schlussfolgerungen aus der Amazonas-Synode im vergangenen Herbst veröffentlicht worden. Das Abschlussdokument mit dem Titel "Querida Amazonia" (Geliebtes Amazonien) enthält keine Lockerung in Sachen Priesterzölibat in entlegenen Amazonas-Gebieten.

Die Spekulationen über eine möglicherweise geplante Lockerung der im Kern zwar auf die frühe Kirche zurückgehende, jedoch erst seit dem 11. Jahrhundert allgemein verbindliche Ehelosigkeit für Geistliche waren im Jänner durch die Vorabveröffentlichung eines vom konservativen Kardinal Robert Sarah herausgegebenen umstrittenen Buches angeheizt worden. Zunächst galt der frühere Papst Benedikt XVI. als dessen Mitautor.

Die Autoren des Buches warnten Franziskus vor einer Aufweichung des Zölibats. Kurz nach der Vorabveröffentlichung distanzierte sich Benedikt jedoch von einer Mitautorenschaft. Er habe lediglich einen Beitrag für den Band verfasst.

Rolle der Frauen stärken

Dafür will der Papst die Präsenz von Laien-Gemeindeleitern fördern. Konkret bedeute dies, die Entwicklung einer eigenen kirchlichen Kultur zu ermöglichen, die von Laien geprägt sei. "Die Herausforderungen Amazoniens verlangen von der Kirche eine besondere Anstrengung, um eine Präsenz in der Fläche zu erreichen, was nur zu verwirklichen ist, wenn die Laien eine wirksame zentrale Rolle innehaben", schrieb der Papst.

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Franziskus nahm im postsynodalen Schreiben auch zur umstrittenen Frauenfrage Stellung. "In einer synodalen Kirche sollten die Frauen, die in der Tat eine zentrale Rolle in den Amazonasgemeinden spielen, Zugang zu Aufgaben und auch kirchlichen Diensten haben, die nicht die heiligen Weihen erfordern, und es ihnen ermöglichen, ihren eigenen Platz besser zum Ausdruck zu bringen. (...) Das bedeutet auch, dass Frauen einen echten und effektiven Einfluss in der Organisation, bei den wichtigsten Entscheidungen und bei der Leitung von Gemeinschaften haben, ohne dabei jedoch ihren eigenen weiblichen Stil aufzugeben", hieß es.

Papst bittet um Vergebung

Zudem beklagte der Papst die "kolonialistische Ausbeutung" der Umwelt und der lokalen Bevölkerungen in der Region. Das Interesse weniger mächtiger Konzerne nicht über das Wohl Amazoniens und der gesamten Menschheit überwiegen. "Die kolonisatorischen Interessen waren und sind der Grund für eine - legale und illegale - Ausweitung der Holzgewinnung und des Bergbaus; sie haben die indigenen Völker, die Flussanrainer und die afrikanischstämmige Bevölkerung vertrieben oder umringt“, so der Papst laut der offiziellen deutschen Übersetzung des Textes. 

Der Pontifex warnte vor "schweren Menschenrechtsverletzungen und von neuen Arten der Sklaverei", vor allem gegenüber den Frauen, begleitet von der Plage des Rauschgifthandels. Man dürfe nicht zulassen, dass die Globalisierung zu einer "neuen Form des Kolonialismus" werde.

Der Papst bat "demütig" um Vergebung, nicht nur für die Verletzungen der Kirche selbst, sondern für die Verbrechen gegen die Urbevölkerungen während der sogenannten Eroberung Amerikas" und für die Verbrechen, die im Laufe der ganzen Geschichte Amazoniens folgten. Den indigenen Völkern sagte er: "Ihr seid lebendige Erinnerung an die Sendung, die Gott uns allen anvertraut hat: das 'gemeinsame Haus' zu bewahren".

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(APA)