Manager: „Börsen sind in absoluter Wachstumsphase“

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bdquoBoersen sind absoluter Wachstumsphaseldquo(c) Die Presse (MichaelaBruckberger)
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Asset Manager Claudio Gligo hält nichts von fundamentalen Analysen. Daher ist er optimistisch. Er setzt auf "Managed Futures", da diese in negativen Aktienmarktphasen die Verluste deutlich abfedern.

„Die Presse“: Im vergangenen Jahrzehnt brachen die Börsen gleich zweimal ein. Die Anleger erlitten hohe Verluste. Soll man überhaupt noch auf Aktien setzen?

Claudio Gligo: Die größten Gewinnpotenziale sind noch immer mit höheren Aktienquoten möglich. Die Börseneinbrüche in den Jahren 2002 und 2008 führten aber zu hohen Verlusten. Der Grundsatz, dass Aktien immer sinnvoll sind, wenn man sie nur langfristig hält, hat daher keine Gültigkeit mehr.


Kann man die Verluste durch Diversifikation verhindern, indem man das Anlagevermögen auf mehrere Asset-Klassen verteilt?

Gligo: In mehr als 20.000 Simulationen haben wir versucht herauszufinden, wie sich verschiedene Asset-Klassen wie Aktien, Anleihen, Rohstoffe oder Gold in unterschiedlichen Marktphasen (dabei wird zwischen Aufschwung, Boom, Abschwung und Rezession unterschieden) verhalten. Das Ergebnis: Einfach zu diversifizieren bringt nicht viel, man muss die Diversifikation auch ständig der Aktienmarktphase anpassen.

In welcher Phase befinden wir uns derzeit?

Gligo: Noch immer in einer absoluten Wachstumsphase. Wir setzen derzeit stark auf Aktien. Die Aktienindizes MSCI World und MSCI Emerging Markets sind bei uns teilweise mit knapp 60 Prozent gewichtet.

Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung?

Gligo: Wir leiten unsere Bewertungen direkt vom Aktienmarkt ab, arbeiten nur mit technischen Indikatoren. Einer der Indikatoren ist etwa die 200-Tageslinie (dabei werden die Kurse der vergangenen 200 Börsentage addiert und durch 200 geteilt, Anm.). Anhand von historischen Daten leiten wir dann ab, ob die Linie einen Aufschwung oder einen Abschwung signalisiert.

Fundamentale Daten wie Wirtschaftswachstum, Arbeitslosenanträge oder Konsumverhalten spielen bei den Bewertungen keine Rolle?

Gligo: Bei dieser Strategie würde man davon ausgehen, dass der Aktienmarkt der Realwirtschaft folgt, man versucht also den Konjunkturzyklus nachzubilden (wenn es mit der Realwirtschaft bergauf geht, setzt man dann auf Aktien, Anm.). Damit muss man dem Markt Informationen vorwegnehmen, also eine Meinung haben. Bei uns spielt Meinung keine Rolle. Es ist nämlich effizienter, sich die Informationen direkt vom Aktienmarkt zu holen, denn dort sind die Marktmeinungen bereits verarbeitet.

Die Aktienkurse liefen zur Jahrtausendwende der Wirtschaft weit voraus, fundamental war dieser Boom nicht mehr belegbar. Die (Internet-)Blase platzte schlussendlich, die Börsen folgten also der Realwirtschaft. Hätten die Investoren auf die fundamentalen Daten gehört, hätten sie die Verluste vermieden.

Gligo: Sie wären aber zu früh aus den Aktien ausgestiegen und hätten auf weitere Kursgewinne verzichtet.

Sonst wären die Anleger aber erst in der Abwärtsbewegung ausgestiegen.

Gligo: Schlussendlich wären sie damit aber besser gefahren.

Im April gingen die weltweiten Aktienkurse infolge der Eurokrise um 15 Prozent zurück. Haben Ihre Indikatoren angezeigt, aus den Aktien auszusteigen?

Gligo: Nein, die Korrektur war nicht stark genug. Wir sind aus den Aktien nicht rausgegangen. Wären die Aktienkurse um weitere zehn Prozent eingebrochen, wäre derzeit ein anderes, defensiveres Portfolio im Einsatz.

Wie reagieren Sie, wenn die Märkte einen Abschwung signalisieren.

Gligo: Ich setze etwa auf Managed Futures (das ist eine Hedgefonds-Strategie, die einem Trend folgt. Zeigt der Trend auf fallende Kurse, wird gegen Aktienindizes gewettet, Anm.). Diese Managed Futures können in negativen Aktienmarktphasen die Verluste deutlich abfedern und sogar „Zusatzerträge“ erwirtschaften.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.06.2010)

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