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Zu viel gefördert? Wiener FPÖ schießt sich auf Okto ein

Okto - ein nichtkommerzieller Community-Sender.(c) Die Presse
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Am Freitag ist der Sender Thema im U-Ausschuss des Gemeinderats.

Seit 2005 ist das Community-TV Okto on Air. Ein „Mitmachsender“, der Minderheiten bewusst bevorzugt. Finanziert wird das aus Fördermitteln der RTR, vor allem aber durch die Stadt Wien: Eine Million Euro Förderung zahlte die Stadt pro Jahr, seit 2020 sind es 750.000. Das ist der Wiener FPÖ ein Dorn im Auge. Am Freitag ist Okto daher Thema in einem U-Ausschuss des Gemeinderats. Dort fordert der Wiener FPÖ-Klubchef Anton Mahdalik Aufklärung, „wie es dazu kommen konnte, dass für den öffentlich praktisch nicht wahrgenommenen Mini-Sender pro Jahr eine Million Euro floss“, zitiert ihn „Österreich“. Und die „Krone“ titelte: „Aus für teuren Zwerg-Sender?“.

Die FPÖ kündigte auch eine Anzeige an – wegen Verdachts auf „missbräuchliche Verwendung“ von Fördergeld (laut Mahdalik 620.000 Euro) – und fordert die Auflösung des gemeinnützigen Vereins, weil Gewinne ausgeschüttet worden seien. Okto-Geschäftsführer Christian Jungwirth weist alle Anschuldigungen zurück. Man habe Rücklagen gebildet, falls Okto keine Förderung mehr erhalten sollte. Weil die Stadt das für zu hoch befand, wurde auf die Auszahlung von 500.000 Euro Förderung verzichtet. Es sei aber „kein Cent“ missbräuchlich verwendet worden, so Jungwirth. Am Mittwoch ging Okto in die Offensive: „Der mediale Blick über den Tellerrand gefällt nicht allen“, heißt es in einer Aussendung. Man erreiche monatlich „bis zu 165.000 Menschen“ (dieser weiteste Seherkreis gibt an, wie viele Menschen in den letzten zwei Wochen mindestens eine Minute lang geschaut haben). Zwerg-Sender lässt Jungwirth nicht gelten. Sein Motto lautet: „Nische statt Masse“.
(i. w.)


[Q77JW]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.02.2020)