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Casinos Austria

Novomatic lässt Aktionäre warten

er Novomatic-Konzern behält noch für sich, wie viel sein 17,2-prozentiger Aktienanteil an den Casinos Austria kosten wird.
er Novomatic-Konzern behält noch für sich, wie viel sein 17,2-prozentiger Aktienanteil an den Casinos Austria kosten wird.APA/ROBERT JAEGER
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Am Mittwoch gab Novomatic bekannt, seine Anteile von 17,2 Prozent an die tschechische Sazka-Gruppe verkaufen zu wollen – aber nicht, zu welchem Preis.

Wien/Gumpoldskirchen. Der Novomatic-Konzern behält noch für sich, wie viel sein 17,2-prozentiger Aktienanteil an den Casinos Austria kosten wird: Man wolle die Konditionen in den nächsten Wochen ausschicken. Novomatic lud am Mittwoch zur Eigentümersitzung, um formell mitzuteilen: Die Anteile sollen an die tschechische Sazka-Gruppe gehen.

Sazka hält bereits 38 Prozent der Casinos Austria und strebt die alleinige Kontrolle seit Jahren an. Bis Mitte April müssen die Papiere bei den Eigentümern sein. Der Deal ist aber nicht einfach abzuschließen: Alle Aktionäre, inklusive des österreichischen Staats (Öbag) mit einem Anteil von 33 Prozent, haben ein anteiliges Aufgriffsrecht. Ob sie davon Gebrauch machen wollen, wurde am Mittwoch nicht gesagt. Auch ein etwaiger Börsengang der Casinos, den die ÖVP teils befürwortete, war kein Gesprächsthema in der halbstündigen Sitzung. Die Aktionäre hielten sich nach der Sitzung bedeckt.
Nach Ansicht von Wilhelm Rasinger, Präsident des Interessenverbands für Anleger (IVA), sollte der Staat nicht aufstocken, sondern die Casinos an die Börse bringen. Wünschenswert wäre ihm zufolge ein starker Kernaktionär mit einem Anteil von 25 Prozent. Das müsse zwar nicht unbedingt die Öbag sein, außer ihr könne er sich aber niemanden vorstellen, der „kurzfristig so viel Geld für diese Branche zur Verfügung stellt“. Übrigens: Laut dem türkis-grünen Regierungsprogramm darf der Rechnungshof zukünftig Unternehmen schon ab 25 Prozent Staatsanteil prüfen, börsenotierte Staatsunternehmen sind von der Regelung aber ausgenommen.

 

Sazka und Öbag verhandeln

Insidern zufolge verhandelt die tschechische Sazka schon lang mit der Öbag. Mit dem Bankhaus Schelhammer & Schattera, das knapp fünf Prozent hält, hat die Sazka eine Vereinbarung: So bliebe den Tschechen selbst im Falle einer Aufstockung durch die Öbag die Stimmrechtsmehrheit bei den Casinos Austria sicher.

Es sei wichtig, „dass der Staat bei den Casinos das Sagen hat“, heißt es seitens der SPÖ. Es gehe auch darum, die mehrheitliche Kontrolle durch die tschechische Sazka-Gruppe zu verhindern – die Öbag müsse ihr Aufgriffsrecht nutzen. Den Entschließungsantrag dazu hatten ÖVP, Grüne und Neos im Dezember abgelehnt.

Neos fordern währenddessen einen neuen Öbag-Vorstand, weil der Alleinvorstand Thomas Schmid – ehemaliger ÖVP–Funktionär und angeblich ein Vertrauter von Kanzler Kurz – in der Casinos-Affäre beschuldigt wird.

Eine konstruktive Aktionärsvereinbarung zwischen Öbag und Sazka wäre laut Anlegerschützer Rasinger die beste Lösung. Aufsichtsrat und CEO sollte der Staat aber nicht bestimmen dürfen: „Bei den Casinos haben wir leidvolle Erfahrungen machen müssen, was da alles möglich ist.“ (red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.02.2020)