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Bilanz

Bawag beschenkt ihre Aktionäre

Bawag-Chef Anas Abuzaakouk verspricht noch mehr Wachstum.
Bawag-Chef Anas Abuzaakouk verspricht noch mehr Wachstum.REUTERS
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Die heimische Bank erhöht ihre Dividende um ein Fünftel, nachdem 2019 ein Rekordgewinn erzielt wurde. Investoren zeigen sich in Kauflaune, denn die Bawag-Aktie legt kräftig zu.

Wien. Es waren frustrierende Jahre für die Anleger der Bawag. Seit die Bank im Herbst 2017 an die Wiener Börse gegangen war, befand sich die Aktie überwiegend im Sinkflug. Eigentlich will ein Unternehmen mit einem Börsengang Geld einsammeln. Bisher hat das bei der Bawag nicht wirklich geklappt.

Nun belohnt die einstige Gewerkschaftsbank ihre treuen Aktionäre mit Durchhaltevermögen und plant, eine Dividende von 2,61 Euro je Aktie auszuschütten − ein Fünftel mehr als 2018. Vor allem Golden Tree dürfte sich darüber freuen. Der US-Fonds ist größter Aktionär der Bawag.

Seit dem Börsengang hat das heimische Finanzinstitut mehr als 900 Millionen Euro an seine Aktionäre ausgeschüttet, beziehungsweise dafür vorgesorgt. Allein 2019 wurden 615 Mio. Euro an die Aktionäre ausgezahlt: Einerseits kaufte die Bawag Aktien im Wert von 400 Mio. Euro zurück, andererseits schüttete sie 215 Mio. Euro als Dividende aus.

 

Rekordgewinn: 604 Millionen

Diesmal geben vorläufige Jahreszahlen Anlass für das Investoren-Zuckerl. 2019 erzielte die Bank einen Vorsteuergewinn in Höhe von 604 Mio. Euro − ein Rekord. Auch der Nettogewinn stieg um fünf Prozent auf 459 Millionen Euro. Die gute Bilanz wird von der Bank „mit höheren operativen Erträgen und diszipliniertem Kostenmanagement“ begründet. „Das Marktumfeld für europäische Banken blieb herausfordernd, allerdings zeigt sich, dass die Fundamentaldaten der Bank stark sind“, zieht der Vorstandsvorsitzende der Bawag, Anas Abuzaakouk, am Mittwoch Bilanz.

Die Zahlen wirken auf dem Aktienmarkt wie ein Befreiungsschlag: Investoren kauften ein. In Folge legten die Bawag-Papiere kräftig zu. 2020 soll der Wachstumstrend fortgeführt werden. Die Bank rechnet mit einem Vorsteuergewinn von 640 Mio. Euro und einem Nettogewinn von 480 Mio. Euro. Dabei basiere die Strategie unverändert auf dem „Wachstum in den entwickelten Märkten mit Österreich als Kernmarkt“. Derzeit hat die Bank 2,4 Millionen Kunden und 88 Filialen in Österreich.

 

Noch mehr Dividende

Außerdem stellt die Bawag abermals einen Geldregen in Aussicht. Weiterhin soll Kapital in Form eines Aktienrückkaufs oder einer Sonderdividende ausgeschüttet werden, wenn das Geld nicht für Übernahmen und Zukäufe oder nicht „organisch eingesetzt werden kann“. „Wir freuen uns auf die Zukunft und sind überzeugt davon, dass wir die Ziele für 2020 erreichen werden“, sagte Abuzaakouk.

 

Linzer Swap-Deal: Prozess läuft

Die Bank hat ihre Kredite überwiegend in den Ländern Deutschland, Österreich und der Schweiz vergeben, den Rest in Westeuropa und den USA. Der Anteil der faulen Kredite (NPL) liegt bei 1,7 Prozent, ohne den Sonderfall des gerichtsanhängigen Swap-Deals mit der Stadt Linz sogar nur bei 1,2 Prozent.

Der Fall bleibt weiterhin brisant. Erst im Jänner hatte ein Zwischenurteil Linz recht gegeben, wonach der verlustreiche Swap-Vertrag zwischen Stadt Linz und Bawag nicht rechtsgültig zustande gekommen sei. Die Bawag hat Berufung eingelegt. Dennoch geht der Prozess weiter. Es geht ab sofort um Schadenersatzansprüche. Die Bank macht einen Schaden von 417 Mio. Euro geltend, weil man darauf vertraut habe, dass der Vertrag gültig sei. Die Stadt will 25 bis 30 Mio. Euro, die sie im Zuge des Swap-Geschäfts zu Unrecht als Zahlungen an die Bawag geleistet habe.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.02.2020)