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Skifliegen

Kulm: Stefan Kraft und die Tragweite des Gelben Trikots

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APA/AFP/CHARLY TRIBALLEAU
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Vor 70 Jahren gab es auf dem Kulm bei Bad Mitterndorf das erste Skifliegen, damals siegte Rudi Dietrich mit bestweite von 103 Metern. 2020 ist alles anders, der Schanzenrekord liegt bei 244 Metern. Nur dem Gesamtweltcupführenden, Stefan Kraft, fehlt immer noch ein Heimsieg.

Bad Mitterndorf. Der Pongauer Stefan Kraft kommt im Gelben Trikot ins steirische Salzkammergut. Mit 1.113 Punkten hat Kraft aktuell 68 Zähler Vorsprung auf Verfolger Karl Geiger (GER), 173 auf Tournee-Sieger Dawid Kubacki (POL). Doch beim ersten Skifliegen der Saison, das auch eine Standortbestimmung vor der Skiflug-WM vom 19. bis 22. März in Planica ist, werden die Karten neu gemischt. "Man muss schauen, wo man steht, oder ob man noch etwas machen muss nach dem Kulm. Es mischt sich dann doch immer wieder ein bisserl durch, weil manche einfach besser fliegen können", sagt Kraft.

Dem 26-jährigen Doppel-Weltmeister von 2017 fehlt auf dem Kulm - ebenso wie überhaupt in Österreich - noch ein Heimsieg. Das war ein erklärtes Ziel des Pongauers schon vor dem Saisonstart. Mit zwei vierten Rängen in Innsbruck und Bischofshofen bei der Tournee hat er es wieder verpasst. Auf dem Kulm war er 2015 einmal Zweiter hinter Severin Freund (GER), bei der bisher letzten Skiflug-WM bei Bad Mitterndorf holte er im Einzel und mit dem Team Bronze. 2018, als wie 2015 der zweite Einzelbewerb wegen Windes abgesagt werden musste, war Kraft nur Neunter.

Für den erhofften Heimsieg, so Kraft, müsse "viel zusammenpassen". Die größte Konkurrenz kommt u.a. aus Norwegen und Slowenien. Weltmeister Daniel-Andre Tande hat sich rechtzeitig für den Kulm von einer Grippe erholt, auch der erst 21-jährige Marius Lindvik, im Gesamt-Weltcup als Fünfter aktuell bester Schützling des österreichischen Chefrainers der Norsker, Alexander Stöckl, zeigte zuletzt mit Rang zwei in Willingen auf.

Die Gastgeber kommen neben Kraft, Philipp Aschenwald, Daniel Huber und Gregor Schlierenzauer mit zwei Kulm-Debütanten in die Steiermark. Stefan Huber und Clemens Leitner, für den es überhaupt das erste Skifliegen wird, schnuppern erstmals Kulm-Atmosphäre.

Alle Vorspringer sind nach ASVG angemeldet

Nach dem Unfall von Lukas Müller werden Vorspringer beim kommenden Skiflug-Weltcup am Kulm nach dem ASVG als Dienstnehmer angemeldet. Das hat am Donnerstag die Sportgewerkschaft younion unter Berufung auf die Athleten berichtet und ist vom Österreichischen Skiverband (ÖSV) bestätigt worden.

Müller hatte sich am 13. Jänner 2016 im Rahmen der Skiflug-WM bei einem Sturz als Vorspringer eine schwere Wirbelsäulenverletzung zugezogen, es war eine inkomplette Querschnittlähmung diagnostiziert worden. Nach einem Rechtsstreit wurde der Unfall 2019 als Arbeitsunfall anerkannt. „Wenn andere Athletinnen und Athleten nun besser abgesichert sind, bekommt mein Unfall nun wenigstens einen Sinn“, wird Müller nun in einer Aussendung der Gewerkschaft zitiert

Der Vorsitzende der Sektion Sport in der younion, Gernot Baumgartner, sagte darin u.a.: „Der Druck, den wir seit längerem auf den ÖSV ausüben, hat anscheinend Wirkung gezeigt. Es ist allerdings nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung und kein ausschließliches ÖSV-Problem. Der gesamte österreichische Sport ist nach wie vor verunsichert und die Politik ist gefordert, eigene auf den Sport ausgerichtete Maßnahmen zu schaffen.“