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Kritik

„To All the Boys 2“: Was passiert nach dem Happy End?

To All The Boys: P.S. I Still Love You
Noah Centineo and Lana Condor haben Chemie. In "To All the Boys: P.S. I Still Love You." können sie diese nicht ausleben(c) Netflix (Bettina Strauss)
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Die Teenie-Romcom „To All the Boys I've Loved Before“ war ein Überraschungserfolg für Netflix und hat nun die erste von zwei Fortsetzungen bekommen: „To All the Boys: P.S. I Still Love You“.

Wenn glückliche Familien einander gleichen und unglückliche einzigartig sind, wie Tolstoi schrieb, dann ist es nur konsequent, dass viel vom Unglück, wenig vom Glück erzählt wird. Das gilt auch für Liebesgeschichten in Filmen: Stundenlang leidet man mit den Verliebten, hofft und zittert, um dann drei Minuten „bliss“ zu erleben, hach. Exakt 91 Minuten waren es bei der Teenie-Romcom „To All the Boys I've Loved Before“, ehe Lara Jean und Peter sich ihre Liebe gestanden. Die charmante Teenie-Romcom mit dem kruden Plot (geheime Liebesbriefe, eine vorgetäuschte Beziehung) war 2018 einer der größten Erfolge für Netflix. Nun erschien die erste von zwei geplanten Fortsetzungen, „To All the Boys: P.S. I Still Love You“.

Vom Glück zu erzählen, ist nicht nur langweilig, wie Tolstoi meinte. Es ist auch unangenehm. Am Anfang des Filmes geht Lara Jean (Lana Condor) auf ihr erstes offizielles Date mit Peter (Noah Centineo). Man windet sich als Zuschauer, wenn man die beiden beim Dauergrinsen im Nobelitaliener beobachtet. Man fühlt sich wie ein Eindringling und fürchtet den Zusammenbruch der Idylle. Der wird freilich kommen, Seligkeit füllt keine Drehbücher.

Lara Jean ist unsicher, Peter hat immer noch Kontakt mit seiner Ex-Freundin: Das sind die Zutaten für dieses Drama
Lara Jean ist unsicher, Peter hat immer noch Kontakt mit seiner Ex-Freundin: Das sind die Zutaten für dieses Drama(c) Netflix / Bettina Strauss (Bettina Strauss)

Bald betont die Romanze auch die Unsicherheit der weiblichen Hauptfigur: Mag der bei so vielen Mädchen beliebte Peter Lara Jean wirklich? Wie nahe steht er seiner Ex-Freundin, der hübschen und selbstsicheren Gen (Emilija Baranac)? Und freilich, da ist auch noch die Sache mit dem Sex: Er hatte schon, sie ist noch nicht bereit. „Overthinking“ sei ihr Problem, sagt Lara Jean. Sie denkt zu viel nach. Auch er verhält sich ungeschickt, schafft es nicht, ihr Sicherheit zu geben.

Und dann kommt auch noch eine Kindheitsliebe (die Protagonisten sind ja erst 16) daher. Im ersten Film wurden fünf geheime Liebesbriefe von Lara Jean an fünf (ehemalige) Schwärme abgeschickt, darunter Peter, was den Plot in Gang brachte. Nun taucht ein weiterer Empfänger auf, John Ambrose (Jordan Fisher), fesch und kultiviert und so anders als die Sportskanone Peter. In Lara Jean schleicht sich der Gedanke ein, ob er nicht besser zu ihr passen würde als ihr Freund.

Happy End, Teil zwei

Ziemlich vorhersehbar geht es hin und her, irgendwann gibt es eine (milde) Eifersuchtsszene in einem gigantischen Baumhaus und eine romantische Party im schönsten Altersheim, das man je in einem Film gesehen hat. Am Schluss gibt es wieder ein Happy End, das zweite also.

„To All the Boys I've Loved Before“ war für Netflix auch deswegen so erfolgreich, weil er gern mehrfach gesehen wird. Teil zwei ist kein Film zum Wiedersehen. Es fehlt ihm an Substanz. In Teil eins sprachen Lara Jean und Peter über ihre Verlustängste (Lara Jean ist Halbwaise, Peters Vater hat die Familie verlassen). Teil zwei bleibt deutlich oberflächlicher. Vielleicht hat der Wechsel in der Regie – Michael Fimognari statt Susan Johnson – der Reihe nicht gut getan. Vielleicht gibt die Vorlage, das gleichnamige Jugendbuch von Jenny Han auch nicht mehr her.

Der dritte Film kommt noch heuer

Zumindest vermeidet der Film im Großen und Ganzen eine Gefahr, die Fortsetzungen mit sich bringen: Nämlich die Vorgänger umzudeuten und sie den Fans damit zu verderben. „To All the Boys: P.S. I Still Love You“ tut das nur für eine, leider zentrale Szene.

Noch heuer erscheint der dritte Teil „To All the Boys: Always and Forever, Lara Jean“, der noch keinen genauen Veröffentlichungstermin hat. Dann darf das „Happy End“ endlich seinem Namen gerecht werden: mit einem Ende.

„To All the Boys: P.S. I Still Love You“, seit 12. Februar auf Netflix