Mitreden

Was wollen wir eigentlich vom Bundesheer?

Nicht nur die Eurofighter-Affäre wirft Fragen auf. Auf der Debatten-Seite diskutieren Autoren darüber, was das österreichische Bundesheer im 21. Jahrhundert leisten soll. Diskutieren Sie mit!

Die Eurofighter-Turbulenzen kommen zu keinem Ende. Wirtschaftskolumnist Josef Urschitz erntete zuletzt viel Beifall für seinen Kommentar zur Lage: „Der Umgang mit Korruption ist hierzulande beschämend“, schreibt er. Die Causa hat erneut das kriselnde Bundesheer ins Zentrum gerückt und wirft eine Reihe von Fragen auf. Eine lautet: Brauchen wir den Eurofighter? (Nein, meinen die Grünen und plädieren für eine kostengünstigere Variante.)

Damit einher geht eine weitere Frage, nämlich jene, was das Heer im 21. Jahrhundert überhaupt leisten soll. Haben sich die Anforderungen geändert? Die Politikwissenschaftler Franz Eder und Martin Senn haben sich ihre Meinung schon gebildet: „Panzer- und Luftarmeen braucht das Land nicht“, schreiben sie in einem „Presse"-Gastkommentar. Vielmehr sollte das Heer Schwerpunkte auf die Bereiche ABC-Abwehr, Krisen- und Katastrophenschutz und internationale Missionen setzen. „Ergänzt um die Fähigkeiten des Schutzes vor Cyberangriffen würden damit moderne Streitkräfte entstehen“, so die Politologen. Es gehe heute schließlich nicht mehr um Kriege, sondern um die „Unterstützung der österreichischen Bevölkerung in Krisen und Katastrophenfällen".

Österreich darf kein Weichteil der europäischen Sicherheitsarchitektur sein.

Matthias Wasinger

Ganz anders sieht das Berufsoffizier Matthias Wasinger: „Militär wird dort eingesetzt, wo andere nationale oder internationale Kräfte Recht und Ordnung nicht mehr durchsetzen können“, schreibt er. Es gebe etwa genug Beispiele, die belegen, „dass es militärischer Mittel bedarf, um der Terrorbedrohung des 21. Jahrhunderts Herr zu werden.“

Als wirtschaftlich starkes Land müsse Österreich seine Verantwortung wahrnehmen: „Österreich darf kein Weichteil der europäischen Sicherheitsarchitektur sein. Wir mögen neutral sein. Das hält jedoch traditionell keinen anderen Staat davon ab, aggressiv gegen uns vorzugehen. Dies können wir nur selbst verhindern."

Auch Politologe Florian Hamader widerspricht Senn und Eder. Er kommentiert: „Der Brexit zeigt uns ganz aktuell auf, dass die europäische Einigung reversibel ist."

Und was meint eigentlich die österreichische Bevölkerung? Die wünscht sich laut einer Umfrage mehr Geld fürs Heer - und eine Konzentration auf den Katastrophenschutz.

(sk)

Diskutieren Sie mit: Was muss Österreichs Heer leisten? Wie kann es sich fürs 21. Jahrhundert rüsten? Wäre eine EU-Armee eine mögliche Lösung? Und: Wo lauern die Gefahren?