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„Kein Kriegsgerät heißt noch nicht nachhaltig“

Finanzangebote für Anleger mit Öko- und Sozialbewusstsein sind im Trend. Um hier Weizen von Spreu zu trennen ist aber spezielles Know-how notwendig.
Finanzangebote für Anleger mit Öko- und Sozialbewusstsein sind im Trend. Um hier Weizen von Spreu zu trennen ist aber spezielles Know-how notwendig.(c) Getty Images/iStockphoto (Tero Vesalainen)
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Wer heute investiert, will vielfach nicht nur hohe Renditen, sondern auch ein reines Gewissen. Nachhaltigkeit ist bei Finanzprodukten gefragt. Was darunter zu verstehen ist, vermitteln einschlägige Kurse.

Green Bonds, SRI, ESG, Nachhaltigkeit, mit diesen und ähnlichen Begriffen sehen sich Anleger konfrontiert, wenn sie ihr Geld auf verantwortungsvolle Weise investieren wollen. Doch was steckt dahinter? Was hat Hand und Fuß, was ist nur „grüner Lack“?

Einen Überblick, was hinter den einzelnen Begriffen steht, gibt ein Kurs der Wiener Börse. Im März wird gemeinsam mit dem Wifi Wien erstmalig das Seminar „Ethisch und nachhaltig investieren“ angeboten. „Es geht darum, die Grundbegriffe und die unterschiedlichen Konzepte vorzustellen, damit die Teilnehmer fundierte Investmententscheidungen treffen können“, sagt Seminarleiterin Tamara Albrecht. SRI steht beispielsweise für Socially Responsible Investing, also sozial verantwortungsvolles Investieren, bei ESG ist der soziale Aspekt (Social) nur eines von drei Themen zwischen der Umwelt (Environment) und der verantwortungsvollen Unternehmensführung (Governance). Und wenn ein Investmentfonds beispielsweise Aktien von Rüstungsunternehmen ausschließt, „so heißt das noch nicht, dass das Produkt ein nachhaltiges ist“, erklärt Albrecht. „Bei vielen Investments muss man auf Umsatzgrenzen achten“, weiß die Expertin. „Oft gibt es Grenzwerte, wie viel Prozent des Umsatzes mit verpönten Geschäften erwirtschaftet werden können.“ Wo man solche Informationen findet, wird im Kurs ebenso thematisiert wie die Frage, was ein Green Bond ist. „Anleihen, die als ,green' oder ,social' platziert werden, müssen die Mittel, die sie einsammeln, für einen bestimmten Zweck einsetzen und diesen vorab kommunizieren.“ Im Fall von „social“ ist beispielsweise in Pflegeheime oder Kindergärten. Bei „green“ in Umweltprojekte.

Ein Kompaktlehrgang zum Thema Sustainable Finance wird ab kommenden Herbst von der FH des BFI Wien angeboten. „Es sind dreimal zwei Tage, an denen sich alles um nachhaltiges Investment dreht, von den Grundlagen über die Herausforderungen bei ESG-Reporting und Risikomanagement oder nachhaltige Produkte und Projektfinanzierung“, sagt die wissenschaftliche Leiterin Karin Huber-Heim.

Diskussion zwischen Finanz und Firmen

Bei dem Lehrgang geht es laut Huber-Heim auch darum, dass „Vertreter von Finanzinstitutionen und Unternehmen zusammenkommen, um den jeweils anderen Blickwinkel kennenzulernen.“ Huber-Heim ist überzeugt, dass das Thema in Zukunft noch wichtiger wird. „Mit dem Sustainable Finance Plan der EU wird sich in diesem Bereich noch viel tun.“ Banken, Versicherungen und Unternehmen müssten lernen, ihre Umwelt- oder gesellschaftlichen Risken zu bewerten. „Wesentlich ist auch, was das Unternehmen mit seinen Gewinnen macht.“

An der deutschen EBS Universität für Wirtschaft und Recht in Hessen wird das berufsbegleitende Zertifikatsprogramm Sustainable & Responsible Investments angeboten. Thematisch dreht sich dort alles um SRI-Anlagestrategien, ESG-Integration in die Finanzanalyse, Sustainable Performance Management oder Nachhaltigkeits-Ratings und ESG Business Intelligence. Programmleiter Thomas Schulz sieht die Nachfrage nach der Thematik im Steigen: „Wir haben das Programm früher einmal im Jahr angeboten, mittlerweile bieten wir es zweimal im Jahr an.“ Das Kompaktstudium im Frühjahr ist bereits ausgebucht, für den Herbsttermin gibt es noch Plätze. Die zwei Blockphasen umfassen drei und vier Tage.
Während beim Sustainable & Responsible Investment die Zielgruppe hauptsächlich Asset Manager und Vermögensverwalter sind, wird ab Juni von der EBS ein neues Kompaktstudium „Corporate Sustainable Finance (CSF)“ für Finanzmitarbeiter von Unternehmen angeboten.

Interesse von Unternehmen

„Wir sehen, dass es seitens der Unternehmen starkes Interesse gibt, speziell solche, die am Kapitalmarkt aktiv sind, haben Bedarf.“ Am Studienplan stehen Transformation der Wirtschaft, Gesetze und Normen zur Förderung von Nachhaltigkeit im Unternehmen, Management nachhaltiger Geschäftsstrategien oder Berichterstattung über Nachhaltigkeitsleistungen. Das zwölftägige Programm findet in Blöcken statt. „Unternehmen müssen etwa ihren CO2-Ausstoß dokumentieren oder die Einhaltung der Menschenrechte im Rahmen der Lieferkette berichten“, nennt er einige Herausforderungen.

Das Vorurteil, dass Unternehmen, die sozial bewusst wirtschaften, weniger Rendite bringen, ist mittlerweile durch zahlreiche Studien widerlegt. Die Experten sind einig, dass Unternehmen, die nachhaltig agieren, langfristig besser aufgestellt sind. Nachhaltigkeit sei auch ein Innovationsfaktor.

Abschließend noch zum Thema Geld: Während der Börse-Kurs mit 190 Euro moderat ist, kosten die Kurzprogramme an den Hochschulen zwischen 2700 und 7700 Euro.

Web: www.wienerboerse.at

www.fh-vie.ac.at, www.ebs.edu