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Kaffeesiederball: Goldener Beethoven, röstfrisches Walzen

Anna Karnitscher (2.v.re.) von der Balleitung mit einigen der Gäste: Silvia Schneider, Christine Meinl, Christina Hummel und Markus Freistätter.(c) Katharina Schiffl
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Unter dem Motto „Symphonie der Liebe“ tanzten die Freunde der Kaffeesiederei in den Wiener Hofburgmorgen.

So golden war Beethoven sein ganzes Leben lang nicht. Und so jung und alert und leichtfüßig kann er (zumindest unserer Vorstellung nach) ehedem auch nicht gewesen sein, wie er da übers Parkett leichten Ballettschritts, fast tänzelnd, Richtung Podium der Ehrengäste schritt, eine, man glaubt’s nicht, Kaffeetasse in der Hand. Nun ja, immerhin war’s die Eröffnung des diesjährigen Kaffeesiederballs, und es ist Beethovenjahr, und der als Beethoven verkleidete Tänzer, golden vom Ballettschuh bis in die Haarwurzeln, war in seiner goldenen Beethovenhaftigkeit längst nicht allein vergangenen Freitag im Festsaal der Wiener Hofburg: Da fand sich auch ein geschätztes Dutzend jener Hundertschaften goldfarbener, gut halbmannshohen Beethoven-Skulpturen, die der deutsche Künstler Ottmar Hörl im Vorjahr für eine Installation auf dem Münsterplatz zu Bonn geschaffen hat. Die zum Kaffeesiederball übersiedelten Exemplare sollen für einen guten Zweck versteigert werden, war später zu hören, nämlich zur Unterstützung des Vereins Superar, der sich der Förderung junger Musikertalente widmet. So weit, so wohltätig.

Zwei Polonaisen, eine Mazurka, einiges Beethoveneskes und etliche erschöpfende Stadtratsgedanken zur Wiener Kaffeehauskultur später schwang der Abend, einbegleitet von Thomas Schäfer-Elmayers stets wohltrainiert-wohlgelaunten Jungdamen und Jungherren, quasi Tanzschritt für Tanzschritt in jenes informelle Balltreiben über, das gern als das „größte Wiener Kaffeehaus“ beschrieben, in Wahrheit freilich nichts weniger als das ist: keine Spur von zurückgelehnter Gelassenheit, vielmehr röstfrisch-turbulentes Wirbeln und lustvolles Walzen kreuz und quer durchs vormals imperiale Interieur.

Mittendrin nebst den Granden der hiesigen Kaffeesiederzunft unter anderem Ex-Verteidigungsminister Werner Fasslabend, Ex-Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl, Ex-Stadtschulratspräsident Kurt Scholz. Nicht zu vergessen Kirill Kobantschenko, seines Zeichens Primgeiger der Wiener Philharmoniker, der gemeinsam mit seinen Mitstreitern der Musikerplattform „Vienna K + K“ sowie Olga Esina und Jakob Feyferlik, Erste Solotänzerin und Erster Solotänzer des Wiener Staatsballetts, schon anlässlich der Eröffnung auf den Spuren Beethovens das Ballmotto angestimmt hatte: „Symphonie der Liebe“. Gewiss, es war Valentinstag, da war diese Liebe wohl primär zwischenmenschlich adressiert. Aber auch der Liebe zum Kaffeehaus wird’s nicht geschadet haben.

(wf)