Analyse

Dienstreisen zwischen Tristesse und Kurzurlaub

3,3 Millionen Mal verreisten heimische Arbeitnehmer vergangenes Jahr geschäftlich. Für die einen bedeuten Dienstreisen eine willkommene Abwechslung, anderen jedoch graut vor verspäteten Flügen und abgewohnten Hotelzimmern. Eine Bestandsaufnahme.

Das Rollen kleiner Koffer, die in mittelgroßen Horden über den Hallenboden geschleift und auf Fließbänder gehievt werden, vor denen sich halbnackte Menschen in Schlangen anstellen; überteuerter Alkohol und vertrocknete Snacks in der Minibar des Hotelzimmers, dessen Allerwelts-Interieur einen Hauch Neunzigerjahre versprüht; die verbrannte Zunge vom brühheißen Automatenkaffee, den man sich zwischen Messestand, Konferenzraum und Mietauto im Laufschritt hinunterschüttet: Szenen wie diese sind es vielleicht, die sich bei manchem vor dem geistigen Auge ausbreiten, wenn die Spesenabrechnung für die letzte Geschäftsreise auf der To-do-Liste steht.

Eben jene Szenen, die Millionen Österreicher jährlich erleben, wenn sie dienstlich verreisen müssen, um Kunden, Lieferanten, Messen, Tagungen oder Seminare zu besuchen. Denn wie eine Studie der Interessenvertretung der heimischen Geschäftsreiseindustrie (Abta), die sich auf Zahlen der Statistik Austria bezieht, zeigt, tätigten im Jahr 2018 1,3 Millionen Österreicher rund 3,3 Millionen Geschäftsreisen ins In- bzw. Ausland, das entspricht 17,9 Prozent der Bevölkerung. Zum Vergleich: 78,3 Prozent der Österreicher traten im selben Jahr eine private Urlaubsreise an.